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Leben & Freizeit

«Vom Huusa, em Hüsli und andere Buuwärch»

Davoser Zeitung
22.08.2022, 12:35 Uhr
gestern um 12:16 Uhr

Haus, Hof, «Spiicher», Madställe, Heuställe, Alphütten, aber auch Wasserkanäle, Äcker, Wald, Wege, Mauern und Zäune: Der Bau und Unterhalt von so zahlreichen Bauwerken war eine Herkulesaufgabe welche die Einzelbauern früher nur im gemeinschaftlichen «Gmeiwärch» bewältigen konnten. Bestimmt ist es auch diesem Umstand zu verdanken, dass die Gemeinschaft bei ihren Bauwerken zu einem einheitlichen Ausdruck fand.

Kein Wunder empörten sich die Frauenkirchler, als die Gemeinde ein neues Schulhaus als trotziges Türmchen mit fast flachem Dach zwischen die hölzernen Gehöfe der Bauern der Sibelmatte baute. Es störte das harmonische Siedlungsbild, wie falsche Töne im Orchester. Zum Glück wurde es bald zu klein. Mit einem Wettbewerb unter Davoser Architekten wurde die beste Lösung gesucht, um ein grösseres neues Schulhaus gut in die Siedlung zu integrieren. Rudolf Gaberels geschindeltes Schulhaus von 1936 gelingt das meisterlich: Sein grosses Dach in der althergebrachten Neigung und Firstrichtung führt runter bis auf die Traufhöhe der umliegenden Bauernhäuser. So bindet sich der hölzerne Grossbau optimal in den Massstab der benachbarten Bauernhäuser und -ställe ein. Dieses Vorbild hätten sich spätere Bauherren ruhig etwas mehr zu Herzen nehmen können.

Mehrstöckiges Plumpsklo

Es gab viel Lehrreiches und auch Überraschendes zu berichten: Zum Beispiel erzählen Bauernhausforscher von der Unterschnitter Pionierleistung, dem Haus ein mehrstöckiges Plumpsklo anzubauen, sodass man auch vom Schlafgmach auf «ds Hüsli» gelangten. Eine kleine Öffnung, die man an Fassaden ganz alter Häuser noch vereinzelt findet, nennt man «Seelabalgga». Ihr wird nachgesagt, dass sie das Entschweben der Lebensgeister ins Jenseits ermöglichen soll. Die Bauernhausforscher sehen darin jedoch bloss eine profane Lüftungsöffung oder Frühform eines Fenster. Man erfuhr aber auch, dass die «Heinzen», die an Stallwänden hängend ihren Einsätzen nachtrauern, in der Landschaft Davos ein ziemlich neumodisches Arbeitsgerät (Aufkommen erst um 1900) sind. Das löste spannende Diskussionen darüber aus, was als Zeuge historischer Landwirtschaft erhalten werden soll, und was man weg wünscht. Gehört das nicht mehr gebrauchte Heugebläse oder das Fiberglassilo nicht auch dazu und ist zu bewahren? Gehören riesige Ställe mit Melk-roboter nicht eher in eine Industriezone als auf die grüne Wiese? Oder sollen Neubauten ausserhalb der Bauzone künftig mit Rückbauten kompensiert werden, damit nicht einfach immer Landschaft verbaut wird? Da prallen unterschiedlichste Ansichten aufeinander, wie die Polemik zeigte. Fazit und Konsens: die Unterschnitter Landschaft ist unter Druck geraten, mam muss dieser einzigartigen Walser Kulturlandschaft gut Sorge tragen. Umso mehr freute sich die Wandergruppe darüber, wenn hie und da ein altes Ställi mit neuem Schindeldach aus goldigem Lärchenholz in die Landschaft strahlt. Hoffentlich kann sich die Gemeinde schon bald wieder dazu durchringen, diese Efforts zu unterstützen und in den Ratsstuben Lösungen zu ersinnen, wie das Nebeneinander von Stadt und Landschaft wieder gestärkt werden kann.

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