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Leben & Freizeit

Vom Blechen und Säuseln

Bündner Woche
23.08.2022, 15:32 Uhr
gestern um 12:16 Uhr

Von Lorena Tino

«Manchmal fühlt es sich an, als würde ich fliegen», beschreibt Annouk Bircher das Gefühl, wenn sie Trompete spielt. Die 19-jährige Churerin fliegt – Entschuldigung – spielt, schon seit rund zehn Jahren. Wie es dazu kam? «Schon seit ich denken kann werde ich von den Klängen der Trompete begleitet. Sie waren einfach immer schon da», beantwortet Annouk Bircher die erste Frage, nachdem sie es sich auf dem schwarzen Holzstuhl im Museumscafé in Chur, bequem gemacht hat. Denn genau wie sie, sei ihr Vater leidenschaftlicher Trompeter, verrät sie bei einer Tasse Kaffee. Lange Zeit habe er sie auch unterrichtet, fügt die junge Frau mit dem dunkelroten Oberteil an. Die Churerin wächst als Einzelkind in der Kantonshauptstadt auf. Sie schliesst die Kantonsschule ab und absolviert im vergangenen Jahr ein Vorstudium an der Zürcher Hochschule der Künste (ZhdK). Dies dient der Vorbereitung auf das Musikstudium, welches sie ab September antreten wird.

Welches Instrument sie einmal lernen möchte, sei nie zur Diskussion gestanden. Doch was hat die Trompete an sich, was sie so spielenswert macht? «Mit der Trompete kann man ruhige feine Töne spielen, aber auch ‹richtig grusig blecha›», erklärt die 19-Jährige, begleitet von einem Lachen. Die Trompete bietet also eine grosse Vielfalt. Vom Blechen bis zum säuseln. «Zudem findet man das Blasinstrument in vielen Musikrichtungen wieder, was viele Türen offen hält», fügt Annouk Bircher an, während sie sich das blonde Haar, welches sie an jenem Tag offen trägt, aus dem Gesicht streicht.

Bis ins Halbfinale von bedeutendem Anlass des Schweizer Blasmusikvereins

Eine Tür, die sich vor Kurzem für die Churerin öffnete, war die des «Prix Musique», an dem sie als einzige Bündnerin teilnehmen durfte. Dabei handelt es sich um einen äusserst wichtigen Anlass des Schweizer Blasmusikvereins. Rund 5000 Teilnehmende waren in diesem Jahr dabei. Bis zum Halbfinale konnte Annouk Bircher mit Bravour bestehen. Zum Zeitpunkt des Treffens, fand dieses am nächsten Tag statt. Für das Finale hat es dann aber doch nicht ganz gereicht. «Es geschieht nichts, wenn es nicht klappt. Ich gehe einfach da hin und spiele so schön es geht», zeigt die Trompeterin eine bescheidene Haltung an jenem Tag.

Doch von Bescheidenheit alleine kommt kein Erfolg. Tägliches Üben, viel Fleiss und ein Gespür für die Musik. Das alles braucht es zwingend, um weiterzukommen. «Mein grösster Erfolg ist für mich das Bestehen des Aufnahmeverfahrens für das Musikstudium. Aber auch auf meine Soloauftritte mit der Kammerphilharmonie und dem Orchester ‹Compact› bin ich sehr stolz», teilt Annouk Bircher  ihre Freude, während ihr Blick dem Geschehen im Café folgt. Das Spielen in einem Orchester sei es nämlich auch, was ihr am meisten Spass mache und was ein Traum für die Zukunft wäre. Doch als Instrumentalistin sei es vor allem wichtig flexibel zu sein. «Man muss sich stetig an  andere Musikrichtungen, Formationen und Projekte anpassen können, um erfolgreich zu sein. Wenn man das nicht kann, ist es schwierig vom Trompetenspielen leben zu können», erklärt die Trompeterin, mit dem Blick stets in Bewegung.

Die Nervosität gehört dazu

So gelassen sie auch scheint, bei den Auftritten ist sie meist nervös. «Aber das gehört dazu», sagt Annouk Bircher. Ohne Nervosität würde das gewisse Adrenalin für einen guten Auftritt fehlen. Während dem Spielen erlebe sie ganz viele verschiedene Gefühle. Am besten sei es jedoch, wenn die Melodie sich von alleine spielt und man gar nicht mehr aktiv überlegen müsse. «Das ist dann die ideale Situation», verrät die 19-Jährige und grinst.

Nebst der Musik und den Proben gibt es aber noch mehr in Annouk Birchers Leben. Joggen, wandern mit den Eltern oder Unternehmungen mit den Freunden gehören ebenfalls auf den Plan. «Die meisten meiner Freundinnen und Freunde sind ebenfalls in den Orchestern, in welchen ich spiele. Daher sehe ich sie oft und kann somit Musik und Zeit mit Freunden kombinieren», gewährt sie einen Einblick in ihre Planung, während sie die Kaffeetasse nach einem Schluck wieder abstellt.

Und wie ist das denn nun eigentlich mit der Puste und den Lippen? Um das zu erklären, muss Annouk Bircher auch einen Moment überlegen. «Es ist ein Zusammenspiel und vor allem auch Frage der Effizienz. Man muss die Lippenmuskulatur gut unter Kontrolle haben und gleichzeitig einen gleichmässigen Luftstrom halten können», erklärt sie schliesslich. Tatsächlich müsse man darauf achten, nicht zu lange zu üben, um die Muskeln nicht zu sehr zu strapazieren.

Das Wichtigste bleibe für die junge Trompeterin jedoch, Freude an der Musik zu haben, sich weiterzuentwickeln und die Leidenschaft aufrecht zu erhalten.

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