Uraufführung trifft Poetryslam
Zum Finalwochenende erwartet das Publikum noch nie Gehörtes. Gleich fünf Komponistinnen präsentieren Kammermusikwerke, die extra für das Davos Festival in diesem Jahr entstanden sind. Und der beliebte Slampoet Fabian Ziegler erfindet seine Texte im Moment seines Auftritts.
Ein Anfang und ein Ende
Am Freitagabend findet im Kongresszentrum unter dem Titel «Mindestens haltbar bis…» um 20.30 Uhr ein Uraufführungsabend statt. Los geht es bereits um 19.30 Uhr mit einem Einführungsgespräch in Anwesenheit der Komponistinnen Cécile Marti, Elnaz Seyedi, Isabel Klaus, Luzia von Wyl und Marylène Müller. Das erste Stück am Abend stammt von Isabel Klaus, die ihre Musik selbst als «wohl eher trocken, manchmal gehemmt» bezeichnet. «Dabei wünsche ich mir jeweils, dass der subtile Humor wahrnehmbar ist, sich aber nicht aufdrängt.» Ihr Werk ist für Flöte (Zofia Neugebauer) und Percussion (Marianna Bednarska), wobei das Schlagwerk durch einen «emanzipierten Gymnastikball» verkörpert wird. «Das Zusammenspiel funktioniert nicht wirklich, aber vielleicht entsteht durch das Scheitern eine andere Art von Expressivität», schmunzelt die Komponistin.
Zeit sehen und Flatterzunge
Das neue Werk der Zürcher Komponistin Cécile Marti ist der dritte Teil eines gross angelegten Balletts mit dem Titel «Seeing Time». Die ersten beiden Stücke für grosses Orchester wurden in Basel aufgeführt, in Davos folgt Part III für Solo-Violine, uraufgeführt von Anna Agafia Egholm. Marylène Müller hat eine Miniatur für Saxofon und Streichquartett (Chaos String Quartet) geschrieben. Der Israeli Amit Dubester freut sich, dass sein Ins-trument dabei mal ganz sängerisch, mal perkussiv, mit viel Flatterzunge gefordert ist. Elnaz Seyedi hat eines ihrer Werke noch einmal neu geschrieben: ihr Duo für Violoncello (Friedrich Thiele) und Fagott (Valeria Curti). «Es wird spannend sein, die beiden Fassungen später miteinander zu vergleichen», sagt Intendant Marco Amherd. «Viele Komponisten haben das im Laufe der Zeit gemacht, Johann Sebastian Bach etwa. Er hat viele seiner Werke im nächsten Jahr anders geschrieben. Vielleicht, weil er andere Instrumente zur Verfügung hatte – aber sicher auch, weil die Welt ein Jahr später ganz anders aussah. Ich bin gespannt, wie Elnaz‘ Werk im neuen Kleid klingen wird.»