Zum Hauptinhalt springen
Leben & Freizeit

Unterwegs mit Pöstler Heinrich Plaz

Bündner Woche
12.08.2023, 04:30 Uhr
gestern um 12:16 Uhr

von Lorena Tino

Es ist ganz einfach: «Ich habe damals in der Sekundarschule in den Beruf geschnuppert und es hat gepasst». So erklärt Heinrich Plaz an einem kühlen Donnerstagmorgen, wie er in der Zustellung am Standort Post 1 in Chur gelandet ist. Heute, fast 40 Jahre später, ist er immer noch täglich in Gelb unterwegs.

Frühmorgens werden wir in der Zustellstelle in Chur empfangen. Heinrich Plaz begrüsst und führt durch die Räumlichkeiten. Es ist ruhig in der Poststelle. Überall stehen Regale mit unzähligen Fächlein. Es wird fleissig sortiert, gesammelt und aufgeladen. Immer wieder hört man das Klingeln der Scanner. Pakete. Briefe. Gemüsetaschen. Hier wird allerhand empfangen, ins System eingelesen, zugeordnet und schliesslich an die gewünschte Adresse zugestellt. Die gesamte Briefpost wurde mit dem Zug geliefert und dann, je nach Adresse, in die jeweiligen Regale einsortiert. Was für uns nach komplizierten Abläufen aussieht, ist für Heinrich Plaz und sein Team Routine.

Schon bald hört man das Summen der Elektroroller, die einer nach dem anderen zu den Arbeitsplätzen gefahren werden, um die Post für die erste Route aufzuladen. So auch an Platz 223. Das ist der Arbeitsplatz von Heinrich Plaz. Er ist Teamleiter vom Team 2.

Es herrscht überraschend ausgelassene Stimmung für frühmorgens. Ein «guten Morgen» hier und ein «guten Morgen» da. Da vergessen wir wohl, dass das für die Kolleginnen und Kollegen von Heinrich Plaz ganz gewöhnlicher Alltag ist.

So. Die Roller sind beladen, die Kisten für die nächsten Routen bereit. Bevor es aber losgeht, wird die Kaffeetasse noch gefüllt. Das Team trifft sich draussen zu einer kurzen Pause. Es wird diskutiert. Über Fussball, das Wetter und natürlich auch über die Arbeit. Wir nutzen diese Gelegenheit, mehr über den langjährigen Postboten Heinrich Plaz zu erfahren.

Die Freude am Beruf führt den grossen, kräftigen Mann in Gelb jeden Tag von Bergün nach Chur. «Die Leute schätzen uns. Es gibt fast nur schöne Momente», berichtet Heinrich Platz mit einer gewissen Selbstverständlichkeit. Der 54-Jährige ist in Savognin aufgewachsen. Zu seiner Zeit war er einer der Auserwählten, die den Beruf ausüben durften. Denn damals sei es ein sehr beliebtes Gewerbe gewesen. Man habe sogar noch eine Aufnahmeprüfung bestehen müssen. «Damals waren wir noch Beamte», fügt Heinrich Plaz seiner Erzählung mit leicht romanischem Akzent an. Am neunten April 1985 startete schliesslich seine Karriere bei der Post. An einen Berufswechsel hat er seither nie gedacht.

Eine solche Treue gegenüber dem Arbeitgeber oder der Arbeitgeberin ist heute alles andere als gewöhnlich. Doch für Heinrich Plaz ist auch das ganz einfach: «Die Zustellung macht mir einfach Spass. Ich bin gerne draussen an der frischen Luft». Die Natur spielt für ihn eine grosse Rolle. In seiner Freizeit trifft man den bescheidenen Pöstler auch oft beim Fischen an. Genug von der frischen Luft gesprochen. Jetzt gehen wir auch dorthin. Alles wird noch einmal rasch überprüft und dann geht es los.

Heinrich Plaz saust mit seinem Roller in Richtung Aquasanastrasse. Wir mit dem Fahrrad hinterher. Beladen mit Briefen, Magazinen, Zeitungen und kleinen Paketen fährt er zielsicher von Briefkasten zu Briefkasten. Hier und da wird geklingelt, um Unterschriften einzufordern oder um Pakete abzugeben. Der erfahrene Pöstler kennt die Route wie seine Westentasche. «Es braucht ein, zwei Anläufe aber dann hat man es. Mit der Zeit kennt man auch die Leute. Hält kurze Schwätzchen an den Briefkästen und bekommt hie und da auch mal ein kleines Präsent», verrät Heinrich Plaz, während er gekonnt schnell die Briefe einwirft.

Ab und zu zieht er einen grossen Schlüsselbund aus der Hosentasche. Viele Häuser haben die Briefkästen drinnen, daher muss er sich Zutritt verschaffen können. «Das hier ist noch harmlos. Für die Altstadt-Tour sind es gleich mehrere Schlüsselbunde», weiss Heinrich Plaz. Vom Schlüsselklimpern begleitet geht er zum nächsten Haus. Tür auf, Post verteilen, Tür zu. Auf den Roller, zum nächsten Haus fahren, anhalten. Absteigen. Der erfahrene Pöstler ist zügig unterwegs.

«So. Das wars. Jetzt müssen wir zurück und nachladen», gibt Heinrich Plaz Bescheid, dass die erste Route erledigt ist. Zurück in der Poststelle ist die Zustellungstour für uns zu Ende. Für Heinrich Plaz hingegen, geht es weiter mit der nächsten Route. Ganz einfach.