«Uns würde helfen, wenn geimpft statt geklatscht würde»
Viele Infizierte erkranken so schwer an Covid-19, dass sie auf einer Intensivstation (IPS) behandelt werden müssen. Eine Überforderung des Gesundheitswesens muss unbedingt vermieden werden. Das ist am Kantonsspital Graubünden nicht anders als in anderen Krankenhäusern. Adrian Wäckerlin ist Chefarzt der Intensivmedizin am Kantonsspital. Im Interview mit der «Südostschweiz» spricht er über ungeimpfte Patientinnen und Patienten. Über Realitäten, die fernab der Vernunft liegen. Und über sogenannte Wahloperationen, die dringender sind, als es der Name hergibt.
Herr Wäckerlin, wie sieht die Situation aktuell auf der Intensivstation des Kantonsspitals aus?
Adrian Wäckerlin: Die IPS ist seit Mittwoch voll.
Was heisst das genau?
30 Prozent der Betten sind mit Covid-Patienten belegt. Durchschnittlich sind IPS-Betten aktuell zu 90 Prozent belegt. Es kann also jeden Tag eng werden.
Wenn Spitäler Wahloperationen auf später verschieben würden, wäre die durchschnittliche Belegung auf der IPS möglicherweise tiefer als 90 Prozent. Solche Aussagen hört man immer wieder. Schlicht dummes Geschwätz oder ist da was dran?
Der Begriff Wahleingriff suggeriert, dass man die freie Wahl hat, sich operieren zu lassen. Besser als der Begriff Wahleingriff ist die Unterteilung in dringliche und nicht dringliche Operationen. Die Diskussionen drehen sich dann gezwungenermassen darum, dass man nicht dringliche Operationen verschieben muss, weil die Kapazitäten nicht mehr ausreichen. Dringliche Operationen müssen durchgeführt werden; ebenso Notfalloperationen. Insbesondere Notfalloperationen sind natürlich zeitlich nicht planbar. Ebenso unplanbar ist in diesen Situationen oft, ob ein Patient danach auf der Intensivstation behandelt werden muss. Bis jetzt konnten wir uns intern organisieren – unterstützt durch andere Spitäler im Kanton Graubünden.