Viel zu tun in Churer Gassenküche und Notschlafstelle
von David Eichler und Matthias Fritschi
Man könnte meinen, dass Gassenküche und Notschlafstelle in milden Wintern weniger zu tun haben als in kälteren Jahren. Dieser Vermutung jedoch widerspricht Carlo Schneiter, Betriebsleiter des Vereins Überlebenshilfe Graubünden, im Interview mit TV Südostschweiz: «Wir haben zwar generell in den Wintermonaten schon etwas mehr Betrieb. Das Wetter hatte dieses Jahr aber kaum Einfluss auf unsere Zahlen.» Es habe in den letzten zwei Jahren allgemein einen Zuwachs gegeben bei den Menschen, die in einer Notsituation seien und Hilfe benötigten. Bei den Übernachtungen sieht Schneiter den Ursprung dafür insbesondere beim Wohnungsmarkt: «Wir haben mehr Leute, die keine Anschlusslösung finden, wenn sie ihre Wohnung verlieren, und es ist generell schwieriger geworden, eine Wohnung zu finden.»
Armut, Sucht oder psychische Erkrankungen
In erster Linie hat der Verein mit Menschen zu tun, die aufgrund von Armut, Suchtkrankheiten oder psychischen Erkrankungen in eine Notlage geraten sind. «Etwa 100 Menschen übernachten bei uns und etwa 220 erhalten anderweitige Unterstützung bei uns.» Für die meisten sei diese Unterstützung nicht selbstverständlich. «Wir erfahren grosse Wertschätzung für unser Angebot. Das ist aber immer auch abhängig von der individuellen Situation. Natürlich gibt es manchmal Fälle, bei denen der Druck so gross ist, dass sie keine Energie finden, ihre Dankbarkeit zu zeigen.»