Tierfreund wird zum Ersatzmami für Igelbabys
Nachdem Daniele Giardina und seine Arbeitskollegen von der Firma Kraftwerk Löntsch AG in der vergangenen Woche in Netstal ein Bord gemäht hatten, fanden sie sechs kleine Igelbabys. «Ich habe sie zuerst gar nicht gesehen, erst ein Arbeitskollege machte mich auf sie aufmerksam», erzählt der Näfelser. «Von der Mutter fehlte aber jede Spur, die Igelbabys waren alleine im Nest.» So macht er sich schlau und landete letztlich bei der Igelstation in Mels. «Zwei Frauen haben uns bezüglich der Vorgehensweise mit den Babys beraten», sagt Giardina. Wichtig sei, dass sie von den Kleinen fernbleiben würden und diese ja nicht anfassen sollen. «Durch den fremden Geschmack hätte die Mutter die Kleinen totgebissen.»
So schaute der 41-Jährige alle zwei bis drei Stunden nach den Kleinen, und ob die Mutter allenfalls zurückgekehrt ist. Dem war aber nicht so. Daniele Giardina sagt: «Sie sahen gut genährt und gesund aus. Schon lange auf sich allein gestellt waren sie daher vermutlich noch nicht.» Dennoch packte er die Tierchen gegen 19.30 Uhr mit Handschuhen in einen Karton und fuhr die Babys zur Igelstation in Mels. «In der Nacht wäre die Gefahr bestanden, dass die kleinen Igel an Unterkühlung sterben», sagt der Tierfreund. Seine Freundin und er besitzen selber eine Katze und einen Hund.
Ein schlechtes Gewissen
Er sei kein Held, sagt Daniele Giardina: «Es kann sein, dass ich der Grund für das Alleinsein der Babys bin. Die Mutter kam allenfalls in den Mäher oder erschrak dermassen durch das Geräusch, das sie flüchtete», packte ihn das schlechte Gewissen. «Man weiss etwas und unternimmt nichts, das geht doch nicht. Ich konnte nicht einfach abhauen. Dann hätte ich mich wirklich schuldig gemacht, ich musste einfach helfen», erzählt Giardina. Dies sei der hauptsächliche Beweggrund, weshalb er die Kleinen nicht einfach sich selber überlassen wollte.
Wiedersehen mit den Kleinen
Die sechs Igelbabys befinden sich nun in Mels und werden von Pia Albrecht und einer Mitarbeiterin aufgepäppelt. «Sie sind die Helden in dieser Geschichte. Die Frauen müssen die Tiere alle zwei Stunden füttern, das ist ein grosser Aufwand. Es ist toll, dass es Freiwillige gibt, die sich um die Igelbabys kümmern», windet er den Frauen ein Kränzchen.
Am Mittwoch habe er von Albrecht ein Foto der Igelbabys erhalten. «Sie seien gesund und munter, schrieb sie. Das freut mich natürlich sehr», zeigt sich der Hobbyfotograf erleichtert. Die Igelbabys werden nun in Mels aufgezogen, bis sie wieder ausgesetzt werden können. «Das sollte im August oder September der Fall sein», weiss Daniele Giardina.
Und vielleicht kommt es zu einem Wiedersehen mit seinen Findelkindern. «Sie werden wieder dort ausgesetzt, wo sie gefunden wurden. Ich wäre sehr gerne dabei», sagt Giardina. Letztlich sei es ein schönes Erlebnis gewesen, wenn auch gleichwohl traurig. Zumindest zeichnet sich ein Happy End für die Kleinen ab, auch dank dem uneigennützigen Einsatz von Daniele Giardina. Er sieht das entspannt: «Wir können uns lediglich der Natur ein wenig anpassen und wenn wir können, helfend einspringen.»