Tag des weissen Stockes: Eine einzige Stimme
von Laura Kessler
«Es sind dies die Postulate übertragen in die heutige Zeit einer starken, einzigen Stimme blinder und sehbehinderter Menschen in diesem Land. Unsere vollumfängliche Integration in den Arbeitsprozess und schliesslich auf unser Recht auf einen angemessenen Lebensstandard für uns und unsere Familie sowie die staatliche Pflicht der stetigen Verbesserung unserer Lebensbedingungen.» 111 Jahre ist es her, seit diese Leitsätze niedergeschrieben wurden. 1911 gründeten Emil Spahr, Georges Guillod und Theodor Staub gemeinsam den schweizerischen Blinden- und Sehbehindertenverband. Um blinden und sehbehinderten Menschen eine Stimme zu geben. Um zu zeigen, dass auch diese Menschen Teil der Gesellschaft sind und sein müssen. Themen, Forderungen, Leitsätze, die bis heute ihre Gültigkeit haben und für die bis heute gekämpft wird.
Es muss sich noch einiges tun
Durch die Gründung des Verbands hat sich vieles getan. Vieles hat sich zum Guten gewendet. Die Lage für blinde und sehbehinderte Menschen ist heute eine andere. Dennoch, gekämpft wird immer noch. Auch der Verband und seine Beratungsstellen, die während der vergangenen 111 Jahre entstanden sind, sind immer noch nötig und aktiv. Auch jene in Chur. Im Sitzungszimmer an der Steinbockstrasse 2 treffen sich an einem Dienstag im September Barbara Stocker, Stellenleiterin und Sozialarbeiterin, Martina Henggeler, Fachperson Orientierung und Mobilität sowie Claudia und Arno Tschudi mit Hund Balou. Claudia Tschudi ist Interessensvertreterin für den Kanton Graubünden, Arno Tschudi ist Präsident der Sektion Graubünden und selber von einer degenerativen Augenerkrankung betroffen. Sein Blindenführhund Balou und den Weissen Stock hat Arno Tschudi deshalb immer dabei. Alle vier Anwesenden sind sich einig: Ja, es hat sich vieles getan, seit der Verband gegründet wurde. Doch es muss sich auch noch einiges tun. «Das mit der einzigen Stimme ist so eine Sache. Daran müssen wir noch arbeiten», meint Arno Tschudi. Dies, weil immer noch viele Menschen mit einer Seheinschränkung im Kanton Graubünden die Dienstleistungen der Beratungsstelle und das vielseitige Angebot der Sektion nicht kennen.