Stemmen gegen die Welle
«Gerade am Vortag hatte ich mit meiner Frau Christine noch diskutiert, auf wen wir im Restaurant Lokal auf keinen Fall verzichten könnten», erinnert sich Inhaber Walter von Ballmoos. Dann kamen der Abend des 28. Dezembers und die Resultate aus der Betriebstestung vom Vortag: Ausgerechnet den Ankerpunkt des ganzen Teams, Küchenchefin Stefanie Hein, hatte es erwischt. Bis zum nächsten Tag war klar, dass die Hälfte der sechsköpfigen Küchencrew infiziert war. Mit einem reduzierten Angebot wurde noch ein Abendservice bewältigt, am30. war Schluss. «Dass trotz des engen Arbeitsumfelds nicht alle fünfzehn Angestellten erkrankten, zeigt mir, dass das Schutzkonzept mit Masken und Handschuhen funktioniert.» Dennoch, um weitere Ansteckungen auszuschliessen, wurde das Lokal geschlossen. «Damit entgehen uns in der touristischen Hochsaison einige der umsatzstärksten Spitzentage», ist von Ballmoos besorgt. Nach einem ohnehin schwierigen Jahr mit langen Schliessungen sei das eine zusätzliche Belastung. «Immerhin machen die Personalkosten rund 40 Prozent unseres Umsatzes aus, Miete und andere Unkosten sind da noch nicht mitgerechnet.» Zuversichtlich stimmt ihn einzig, dass alle Mitarbeitenden nur milde Verläufe haben – «Sie waren alle geimpft.» – und dass mit dem Ende der Isolationszeit am Freitag ,7. Januar, wieder geöffnet werden kann.
Die Mitarbeitenden schonen
Am Freitag will auch das Belvédère wieder öffnen. Das Steigenberger-Haus hatte am 2. Januar geschlossen, weil ohne eine Überbelastung der Mitarbeitenden der Service eines Fünfsternehotels nicht aufrecht gehalten werden könne, hatten sie bereits vor Silvester wissen lassen. Von seinen 74 Mitarbeitenden seien 40 Prozent wegen einer Infektion oder Quarantäne ausgefallen, erklärt General Manager Hans-Rudolf Rütti auf Nachfrage. «Um sicherzustellen, dass wir alles richtig machen, waren wir von Anfang an im engen Kontakt mit den Gesundheitsbehörden.» Von den Infizierten mussten lediglich drei mit deutlichen Grippesymptomen das Bett hüten. Die saisonale Grippe habe übrigens zu zusätzlichen Ausfällen geführt, berichtet Rütti. «Wir trennten Paare und testen täglich – immer noch.» Abgezeichnet hatte sich das Szenario allmählich. «Im ersten Moment reduzierten wir das Restaurationsan-gebot. Mit dem extremen Ausfall von Mitarbeitenden war es auf Dauer nicht mehr möglich, die Dienstleistung zu erbringen, die der Gast von einem Fünfsternhotel erwartet. Zudem wäre die Belastung für die übrigen Mitarbeitenden viel zu hoch gewesen.» Doch inzwischen ist der General Manager zuversichtlich, am 7. Januar den Betrieb wieder aufnehmen zu können: «Da das Haus nicht sofort voll belegt sein wird, können wir gut mit der Situation umgehen.» Schätzungen bezüglich der durch die Schliessung entstandenen Kosten will er nicht abgeben. «Das lässt sich im Moment nicht beziffern, sicher ist, dass wir in der wichtigsten Jahreszeit neben dem WEF deutlich Umsatz verloren haben. Für uns war letzten Endes aber die Gesundheit und die Sicherheit der Mitarbeitenden und der Gäste wichtiger.»