Wieso sagen wir «etwas im Schilde führen»?
Im Mittelalter gab es nicht nur prachtvolle Schlösser, edle Ritter und anmutige Burgfräuleins – im Mittelalter war es auch Usus, dass jede Adelsfamilie ihr eigenes Wappen hatte. Und dieses stellten sie wann immer möglich zur Schau. Sie bedruckten Fahnen, Helme und Schilde damit. Um die Herkunft der Redewendung «etwas im Schilde führen» genauer zu erklären, müssen wir in der Geschichte zu genau diesen Wappen zurückreisen.
Wappen – eine Wissenschaft
Wappen werden heute nicht mehr jene Bedeutung zugewiesen, wie dies vor mehreren Hundert Jahren noch der Fall war. Es gibt jedoch die Wappenkunde, auch Heraldik genannt, die als offizielle Wissenschaft gilt. Sie beschäftigt sich unter anderem mit der Bedeutung der Symbole auf den Wappen und der historischen Entwicklung. Der Begriff Heraldik geht auf die Heroldskunst zurück, die frühere Bezeichnung für die Wappenkunde. Denn bereits im Mittelalter war es unerlässlich, die Wappen lesen zu können. Der Wappenherold war die «go-to» Fachperson, denn er war dafür zuständig, das Wappen zu lesen und damit seinen Träger zu erkennen. Ein mittelalterlicher Wappenherold ist in Bezug auf seinen sozialen Status mit den heutigen Diplomaten zu vergleichen. Herolde waren äusserst gebildet und kannten sich besonders in Kriegs-, Urkunden und Staatsrecht aus. Das war auch nötig – so konnten die Herolde früher allein an dem Wappen einer Person abschätzen, welche Absichten diese Person haben könnte.