Zum Hauptinhalt springen
Leben & Freizeit

Macht uns Kälte tatsächlich krank?

Sina Schröder
11.10.2024, 04:30 Uhr
heute um 12:16 Uhr

«Kind, zieh dich warm an, sonst wirst du noch krank bei dieser Kälte!» Ein Satz, den wir in jungen Jahren ständig gehört haben oder nun selbst den eigenen Kindern sagen. Mit dem Start des Herbstes und den ersten kalten Tagen hört man ihn umso öfter. Doch ist da eigentlich was dran, oder hat Kälte mit Krankheit nichts zu tun?

 

1930 war dem nicht so

Die Frage, ob man durch Kälte wirklich krank wird, scheint Forschende schon anfangs des 20. Jahrhunderts beschäftigt zu haben, wie es auf geo.de heisst. Ein Wissenschaftler besuchte 1930 eine arktische Insel und fragte die Bevölkerung des kleinen gefrorenen Fleckchens Land über mehrere Monate, ob sie krank wären. Fazit: nein. Die Bewohner und Bewohnerinnen wurden erst dann wieder krank, als das Eis des Meeres im Mai aufbrach und Schiffe in den Hafen einfahren konnten. Die Besatzung der Frachtschiffe schleppten mit hoher Wahrscheinlichkeit die Erreger ein. 

Ein weiteres Experiment in den USA in den 1950ern bestätigte das. Eine Gruppe Menschen hatte für längere Zeit kalte Füsse, diese erkrankten nicht öfters an einer Erkältung oder anderen Krankheiten, als Testpersonen mit warmen Füssen.

Wieder ein anderes Experiments unterstrich das Ganze. Forschende in der Arktis wurden trotz der extremen Kälte nicht häufiger krank, als ihre Kollegen und Kolleginnen in wärmeren Breitengraden.

Schlussfolgernd lässt sich sagen – Kälte ist kein Virus, also macht Kälte allein nicht krank. Aber Achtung, dieses Fazit lässt sich nur mit Vorsicht geniessen.

Kälte lässt unser Immunsystem frieren

Es wird nun etwas theoretisch. Kälte sorgt dafür, dass das vegetative Nervensystem die Durchblutung der Atemwege verlangsamt, wie es weiter auf geo.de heisst. Das vegetative Nervensystem funktioniert unabhängig von unserem Bewusstsein und sorgt dafür, dass alle Organe am Leben bleiben und ihre Funktionen ausführen. Aber wieso verlangsamt es die Durchblutung? Ganz einfach: Um Wärmeverlust zu verhindern, sodass die Organe keinen Schaden davontragen. 

Wegen dieser Drosselung gelangen weniger Leukozyten durch die Blutbahn zu den Schleimhäuten. Na, habt ihr in Bio aufgepasst und wisst noch, was Leukozyten sind? Das sind die sogenannten weissen Blutkörperchen, die dafür zuständig sind, ungebetene Gäste wie Viren im Blut wortwörtlich aufzufressen. Haben wir weniger unserer Immunkämpfer in den Schleimhäuten, haben es Bakterien und Viren leichter, in die Blutbahn zu gelangen und sich zu vermehren.

Dagegen hilft Heizen – oder?

Leider muss ich euch enttäuschen. Obwohl die logische Schlussfolgerung wäre, einfach dafür zu sorgen, dass unsere empfindlichen Schleimhäute stets kuschelig warm gehalten werden, wird das Gegenteil bewirkt. Erhitzen wir kalte Aussenluft, wird die Luftfeuchtigkeit geringer, weil die Wasserpartikel verdunsten. Unsere Schleimhäute trocknen aus und der feuchte Schutzfilm fehlt, der einen Grossteil der Erreger abfängt. Diese spazieren einfach in unseren Blutkreislauf. Ist man dann noch in Räumlichkeiten mit einigen Menschen, startet die Party der Krankheiten und sie breiten sich aus. 

Was kann man dagegen tun?

Etwas Positives hatte Corona – wir alle kennen uns bestens aus mit Schutzmassnahmen. Denn die lassen sich nicht nur gegen Corona, sondern jeden anderen Erreger anwenden – auch eine simple Erkältung. Dazu gehören regelmässiges Lüften sowie Hände waschen und desinfizieren, atmungsaktive Kleidung tragen, die nicht zu eng am Körper liegt, bei langem Sitzen sich auch mal bewegen wenn möglich und gut gefütterte Schuhe tragen. 

Wer mag, kann seine Nasenschleimhäute mit speziellen Feuchtigkeitscremes benetzen, damit diese feucht bleiben und die Schutzbarriere aktiv bleibt. So könnt ihr heizen, ohne eine Wüste aus euren Schleimhäuten zu machen. 

Hier geht es zu weiteren spannenden #SOwas-Artikeln:

#SOwas