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Leben & Freizeit

Sonne statt Wasser, Winter statt Sommer

Barbara Gassler
12.08.2022, 07:58 Uhr
heute um 12:16 Uhr

Im Januar beschrieb Thomann einen immer höheren Elektrizitätsverbrauch, der zu Stromengpässen und -unterbrüchen führen werde. «Die Preise steigen», warnte er damals. Das war noch vor dem Einmarsch russischer Truppen in der Ukraine und den aktuellen Verwerfungen auf dem Energiemarkt als direkte Folge davon. Obwohl die Eigenversorgung bei 60 Prozent des Gesamtstromverbrauchs liege, habe Davos noch immer grosses brachliegendes Potenzial bei der Wasserkraft, stellte Thomann fest und erinnerte daran, dass sagenhafte 88 Prozent der Stimmenden im November 2013 zu einem Ausbau der Wasserkraft insbesondere am Flüelabach Ja gesagt hatten. «Trotz überdeutlichem Volksbeschluss ist bis heute nichts geschehen.»

Nicht wirtschaftlich

In einem 42-seitigen Argumentarium legt der KL im Hinblick auf die nächste Landratssitzung vom 25. August nun die Gründe für die Untätigkeit dar: «Aufgrund der Bedeutung des Vorstosses hat der KL im vorliegenden Bericht die Fragestellung vertieft aufgenommen, nachvollziehbar aufgearbeitet und den Forderungen der Postulanten die entsprechende Beachtung verschafft.» Als erstes verweist er dabei auf die letztes Jahr beschlossene übergeordnete Energiestrategie 2050 des Bundes. Darin schreibt sich die Schweiz speziell die Förderung des Winterstroms auf die Fahne. Zusätzliche Wasserkraft ist dabei nur in Form von Speicherwerken vorgesehen. Zwar war eine 2008 erstellte Potenzialstudie noch zum Schluss gekommen, dass das Projekt Flüelabach knapp wirtschaftlich betrieben werden könne. Vertiefte Studien im Anschluss an die Volksabstimmung und unter Berücksichtigung neuer regulatorischer Vorgaben zeigten später allerdings, dass der Betrieb wegen den Vorgaben zu den Restwassermengen zwischen November und April vollständig eingestellt werden müsste.

Viel Strom zur falschen Zeit

«Seit 2013 wurden Investitionen von rund 2,1 Millionen Franken in den Unterhalt der bestehenden Kraftwerke Glaris und Frauenkirch gesteckt», berichtet der KL. Mit weiteren 15 bis 20 Millionen rechne das EW in den nächsten 10 bis 15 Jahren. Doch heute würden die EW-eigenen Kraftwerke vor allem dann produzieren, wenn der Bedarf in der Grundversorgung bereits mehr als gedeckt sei. Dazu komme der gerade stattfindende grosse Ausbau an Photovoltaik (PV), wo die höchste Produktion ebenfalls im Sommer zu erwarten sei. Bereits jetzt gelinge es, in der Grundversorgung das Standardprodukt Wasserstrom vollständig aus eigener Produktion zu decken, wird weiter argumentiert. Gemeint sind hier die EW-eigenen Kraftwerke Glaris und Frauenkirch sowie die Beteiligung an den Albula Landwasserkraftwerken. Doch genug hat es nur in der absoluten Menge, nicht in der jahreszeitlichen Verteilung. Das bedeutet, dass im Sommer billiger Strom ver- und im Winter teure Energie zugekauft werden muss. Diese Ungleichheit würde sich mit dem Bau des Kraftwerks Flüelabach noch verstärken, heisst es im Argumentarium des KL. Das Gleiche gilt bei den zunehmend verbauten PV-Anlagen auf Gebäudedächern.

Gesuchter Winterstrom

Die Lösung liegt gemäss EW daher in der Produktion von Winterstrom, und da denkt man ganz konkret an eine alpine PV-Produktion. Dort werde eine zusätzliche Förderung erwartet, und Resultate einer Versuchsanlage auf der Totalp würden sehr vielversprechend aussehen. Daher, so schliesst der Bericht, werde auf die Realisation des Kraftwerks Flüelabach verzichtet. «Entsprechend ihrer unternehmerischen Vorgaben hat sich die EWD AG entschieden, die durch die Kleinwasserkraftwerke zum grossen Teil nicht beanspruchten Mittel in den Wärmebereich (gemeint ist damit der Ersatz von fossilen Heizungen Anm. d. Red.) zu investieren.» So beantragt der KL, das Postulat als erledigt abzuschreiben.

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