#sofunktionierts: Warum ihr Dinge kauft, die ihr eigentlich nicht braucht
Online- und Versandhandel haben in der Schweiz einen festen Stellenwert. Gemäss der Online-Plattform «statista» gehen 12 Prozent des Gesamtumsatzes des schweizerischen Detailhandels auf den Onlinehandel zurück. Nur 13,6 Prozent davon stammen aus dem Segment Lebensmittel. Die drei umsatzstärksten Onlineshops der Schweiz sind in absteigender Reihenfolge: Digitec, Zalando und Galaxus. Deren Umsätze liegen in Milliardenhöhe. Und dabei habt ihr ganz wesentlich mitgeholfen – mehr als euch bewusst ist.
Unser Angebot – nur für dich!
Starten wir ein Experiment. Ich suche in meiner Zalando-App nach Winterboots. Kriterien: schwarz, gutes Profil, nicht über 80 Franken. 922 Ergebnisse warten angeblich auf mich. Doch: Zalando wird versuchen, mir nicht nur Stiefel nach meinen Kritierien zu verkaufen. Wetten?
Sofort poppt ein Banner auf. Ich spare 10 Prozent mit dem Herbst-Code von Zalando. Okay. Soweit, so gut. Der Code gilt allerdings nur für Schuhe, die neu im Sortiment sind. Für alle anderen gilt er nicht. Der Onlineshop versucht also bereits jetzt, mich zu den eher teureren Modellen zu lenken – und weg vom letztjährigen, heruntergeschriebenen Sortiment. Nun denn, ich lege ein Paar Boots im Wert von 55 Franken in den Warenkorb. Passend dazu zeigt mir Zalando jetzt «Empfehlungen – gesponsert durch unsere Brands» an. Einen Parka für 65.99 Franken, einen Strickpullover in Pink für 21 Franken und High Waisted Jeans von Levis für 100 Franken. Zalando möchte natürlich, dass ich noch weiter bei ihnen shoppe, und sie mehr an mir verdienen als die 55 Franken mit den Stiefeln.
Klicken wir einmal weiter auf den pinken Pullover – einfach aus Spass. Falls er mir doch nicht gefällt, werden unten sogleich Pullover in etwas weniger knalligen Farben angepriesen – ebenfalls «Empfehlungen für dich». Ich begebe mich zurück zum Warenkorb und entferne die Boots. Zurück zur Startseite. Zalandos letzte Möglichkeit, mich zu einem Kauf zu bewegen. Die App zeigt mir «Unsere besten Angebote – für dich reduziert». Basierend auf meinen früheren Käufen. Und die Shopping-Applikation weist mich darauf hin, dass ich kein «Zalando Lounge Member» bin. Denn damit würde ich versteckte Sparmöglichkeiten entdecken und jeden Tag von neuen, zeitlich begrenzten Angeboten profitieren. So sind wir bereits mittendrin in den sogenannten «Dark Patterns».