«Söma no… go Spiisacha poschta?»
Am liebsten kaufe ich Bücher. Kleine, grosse, dicke, dünne. Sie nehmen mich mit in frühere Zeiten und in ferne Länder, lassen mich teilhaben an Sehnsüchten, Träumen und Leiden und zeigen, wie sehr er sich lohnt, hartnäckig seine Ziele zu verfolgen oder aus Liebe an das zu glauben, woran sonst niemand mehr glaubt. Beim Lesen tauche ich ein und vergesse den Alltag, lerne etwas und werde inspiriert. Ist es draussen dunkel oder einfach kalt, nass und grau, reichen mir ein gutes Buch und eine Tasse Tee. Dass andere in dieser Zeit lieber in die Stadt gehen zum «Lädela», finde ich rätselhaft.
«Was söllemer hüt macha?», frage ich ab und zu unseren kleinen Sohn, der im Frühling zwei wurde. In der Hoffnung, er habe eine Idee (die mir manchmal fehlt) und um seine Fantasie anzuregen. Seit er immer verständlicher spricht, nimmt er mir diese Frage manchmal vorweg. Ab und zu hat er sogar bereits einen Vorschlag parat. Das klingt dann manchmal so: «Söma no go Autokaan poschta?» Was ich nicht einfach bejahen kann, weil ich ja nicht gerne einkaufen gehe und weil er sonst am nächsten Tag eine neue Idee hätte, was wir noch kaufen könnten, und unsere Wohnung vor lauter Spielsachen aus allen Nähten platzen würde.
Bücher kaufe ich nicht nur gerne für mich, sondern auch für andere. Für kleine wie auch für grosse Menschen. Am liebsten für solche, die ich oft sehe – dann kann ich das Buch problemlos ausleihen und innert nützlicher Frist wieder zurückbringen. Genau genommen also nicht ganz uneigennützig.
Jetzt ist bald Weihnachten, und Ihr ahnt, welche Herausforderungen und Fragen mich in dieser Zeit beschäftigen. Wie langweilig ist es, meiner Mutter – sie mag in etwa dieselben Bücher wie ich – schon wieder einen spannenden Roman zu schenken? Wie geh ich mit meinem Sohn einkaufen, ohne dass wir nur mit einer Tasche voll Spielwaren und dennoch zufrieden zurückkehren? Und vor allem: Wie bring ich gemütliche Freizeit und einkaufen im Weihnachtsgetümmel unter einen Hut?
Im Leben gehe es nicht darum, die richtigen Antworten zu finden, sondern sich die richtigen Fragen zu stellen, pflegte ein weiser Lehrer zu uns zu sagen. Es komme die Zeit, in der man in die Antworten hineinlebe. So werde ich mich vermutlich – voller Fragen, aber ohne Antworten – in den verbleibenden Tagen bis Weihnachten dann auf den Weg in die Stadt machen, wenn viele andere am Arbeiten sind. Als Fast-Vollzeit-Mami geht das. Ich werde vermutliche kleine Läden aufsuchen, die keine Kinderspielsachen verkaufen, um meinen Sohn nicht abzulenken. Vermutlich werde ich mir zuhause Gedanken darüber machen, welches spannende Buch mir kürzlich empfohlen wurde – mir fällt vermutlich jemand in meinem Umfeld ein, der dieses Buch auch gerne lesen würde.
Aber da gibt ist noch etwas. Seit Herbstbeginn spricht der kleine Mann an meiner Seite von diesem Autokran, den er «poschta» will. Obwohl Weihnachten für ihn noch schwierig zu begreifen ist, haben wir ihm erklärt, dass er sich diesen vom Christkind wünschen kann. Und bei uns ein paar Fragen auftauchen liess. Wie gross soll der Kran sein? Aus Plastik, Holz oder Metall? Von wem kann er sich dieses Geschenk wünschen, das doch eher teuer ist?
Ich lebte sorgenfrei weiter, weil Weihnachten zu diesem Zeitpunkt noch weit weg war und weil Fahrzeuge sowieso eher Männersachen sind. Der grosse Mann an meiner Seite lebte die Antworten, indem er sich via Internet schlau machte über allerlei verschiedene Modelle. Noch intensiver lebt er seine Antworten seit etwa zwei Wochen. Seine Recherchen nämlich brachten ihn zum Schluss, dass es das, was er für seinen Sohn sucht, noch gar nicht gibt. Also sägt, schraubt, hämmert und leimt er wann immer möglich an diesem Gebilde. Und ich? Ich warte ab. Sollte der Seilwinden-Mechanismus nicht funktionieren oder der Kranarm plötzlich brechen, werde ich die vermutlich einzig mögliche Antwort leben, die es kurz vor dem Weihnachtsfest noch gibt: Zum Sonntagsverkauf in die Stadt düsen und hoffen, es lasse sich das noch finden, wovon unser Sohn seit knapp drei Monaten spricht. Weihnachtsgetümmel und Konsumrausch hin oder her. «Augen zu und durch», könnte eine mögliche Antwort sein.