«Buen Camino!»: Auf dem Bündner Jakobsweg in alle Richtungen pilgern
von Lorena Tino
Der Jakobsweg. Eine Pilgerroute, die zu Ehren des Apostels Jakob dem Älteren erschaffen wurde. Die Legende besagt, dass Jakob in Jerusalem nach Befehl von König Herodes enthauptet worden sein soll und sein Leichnam anschliessend nach Spanien gebracht wurde. Der Fundort seiner Grabstätte, Santiago de Compostela, wurde nach ihm benannt und wird seit jeher verehrt.
Der Weg ist das Ziel
«Der Start ist vor der eigenen Haustür. Das Ziel in Santiago de Compostela», stellt Claudio Föhn vom Verein Jakobsweg Graubünden klar. So wagen wir es und starten in Chur, genauer beim Rosenhügel, mit Etappe zwölf des Bündner Jakobswegs. Der Jakobsweg ist ein Wegnetz, dass sich durch ganz Europa spinnt. Den nördlichsten Punkt findet man in Norwegen. Dank dem Verein Jakobsweg Graubünden gibt es auch eine Route durch den Kanton. Der Verein wurde 2004 ursprünglich gegründet, um dies zu verwirklichen. Man ging den Spuren der vergessenen Pilgerfahrt in Graubünden nach. Spuren wie Wandbilder in Kirchen oder Einträge in Kirchenbüchern. Dazu wurden verschiedene Nachweise geprüft und miteinander verbunden, sodass eine logische Route entstehen konnte.
Als das Projekt erfolgreich umgesetzt war, blieb der Verein bestehen, um gemeinsam zu pilgern. Das Vorstandsmitglied Claudio Föhn fand den Weg in die Gruppe durch seine eigenen Erfahrungen auf dem Jakobsweg. «Nach meinem Studium habe ich mich auf den Weg gemacht. Von meinem Elternhaus in Rona aus, los in Richtung Santiago de Compostela», erzählt er vom Start seiner Reise. Nach seiner Rückkehr fünf Monate später, gab er Vorträge zu seiner Erfahrung. Unser Weg führt uns nicht bis nach Spanien, jedoch aber über schmale Waldwege, sonnige wiesen und weite Feldwege bis nach Domat/Ems.
Busse, Bitte und Dankbarkeit
Die Beweggründe, eine solche Reise anzutreten – zu pilgern – haben meist einen glaubensbezogenen Hintergrund. Zumindest war das so. Heute geniesst der Jakobsweg so viel Aufmerksamkeit wie schon lange nicht mehr. «Die Gründe haben sich verändert. Natürlich pilgern viele noch aufgrund der Religion. Der Jakobsweg ist aber auch zu einer Selbstfindungsroute geworden», erklärt Claudio Föhn. Ursprünglich habe es drei Beweggründe für eine Pilgerreise gegeben: Busse tun, Bitten überbringen oder Dankbarkeit demonstrieren. Diese spielen heute sehr wohl noch eine Rolle, nur eben nicht mehr bei allen, die sich entscheiden, die Reise auf sich zu nehmen.