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Leben & Freizeit

«Buen Camino!»: Auf dem Bündner Jakobsweg in alle Richtungen pilgern

Bündner Woche
12.07.2023, 04:30 Uhr
11.05.2026, 12:16 Uhr

von Lorena Tino

Der Jakobsweg. Eine Pilgerroute, die zu Ehren des Apostels Jakob dem Älteren erschaffen wurde. Die Legende besagt, dass Jakob in Jerusalem nach Befehl von König Herodes enthauptet worden sein soll und sein Leichnam anschliessend nach Spanien gebracht wurde. Der Fundort seiner Grabstätte, Santiago de Compostela, wurde nach ihm benannt und wird seit jeher verehrt.

Der Weg ist das Ziel

«Der Start ist vor der eigenen Haustür. Das Ziel in Santiago de Compostela», stellt Claudio Föhn vom Verein Jakobsweg Graubünden klar. So wagen wir es und starten in Chur, genauer beim Rosenhügel, mit Etappe zwölf des Bündner Jakobswegs. Der Jakobsweg ist ein Wegnetz, dass sich durch ganz Europa spinnt. Den nördlichsten Punkt findet man in Norwegen. Dank dem Verein Jakobsweg Graubünden gibt es auch eine Route durch den Kanton. Der Verein wurde 2004 ursprünglich gegründet, um dies zu verwirklichen. Man ging den Spuren der vergessenen Pilgerfahrt in Graubünden nach. Spuren wie Wandbilder in Kirchen oder Einträge in Kirchenbüchern. Dazu wurden verschiedene Nachweise geprüft und miteinander verbunden, sodass eine logische Route entstehen konnte. 

Als das Projekt erfolgreich umgesetzt war, blieb der Verein bestehen, um gemeinsam zu pilgern. Das Vorstandsmitglied Claudio Föhn fand den Weg in die Gruppe durch seine eigenen Erfahrungen auf dem Jakobsweg. «Nach meinem Studium habe ich mich auf den Weg gemacht. Von meinem Elternhaus in Rona aus, los in Richtung Santiago de Compostela», erzählt er vom Start seiner Reise. Nach seiner Rückkehr fünf Monate später, gab er Vorträge zu seiner Erfahrung. Unser Weg führt uns nicht bis nach Spanien, jedoch aber über schmale Waldwege, sonnige wiesen und weite Feldwege bis nach Domat/Ems.

Busse, Bitte und Dankbarkeit

Die Beweggründe, eine solche Reise anzutreten – zu pilgern – haben meist einen glaubensbezogenen Hintergrund. Zumindest war das so. Heute geniesst der Jakobsweg so viel Aufmerksamkeit wie schon lange nicht mehr. «Die Gründe haben sich verändert. Natürlich pilgern viele noch aufgrund der Religion. Der Jakobsweg ist aber auch zu einer Selbstfindungsroute geworden», erklärt Claudio Föhn. Ursprünglich habe es drei Beweggründe für eine Pilgerreise gegeben: Busse tun, Bitten überbringen oder Dankbarkeit demonstrieren. Diese spielen heute sehr wohl noch eine Rolle, nur eben nicht mehr bei allen, die sich entscheiden, die Reise auf sich zu nehmen.

Weitwandern ist heute eine moderne und angesagte Sportart, zu der sich der Jakobsweg sehr gut eignet. Rund 438'000 Menschen aus der ganzen Welt pilgerten im vergangenen Jahr auf dem Jakobsweg. Auf unserem Weg begegnen wir vielen Sportbegeisterten. Auf dem Fahrrad oder in Joggingschuhen. In Domat/Ems durchqueren wir das Dorf. An Kirchen und Kapellen vorbei und dann am Rhein entlang. Danach von Schmetterlingen begleitet wieder zurück in den Wald, wo man an plätschernden Bächlein vorbeikommt.

Doch es ist nicht nur die sportliche Motivation, die viele dazu bringt, den Rucksack zu packen. Berichte derjenigen, die selbst schon auf dem Weg waren, begeistern und bewegen. So erzählt auch Claudio Föhn von seinen Highlights auf der Reise. «Der schönste Moment war wohl, als ich am Horizont die Pyrenäen sah. Man wandert aus den Alpen heraus und im Mittelland Frankreichs wird es dann ziemlich flach. Plötzlich wieder Gebirge zu sehen, war sehr eindrücklich. Dort wurde mir dann auch klar, wie weit ich schon gekommen war», lässt er schliesslich an seinem Erlebnis teilhaben.

Unbedingtes Vertrauen

Das sei aber nicht das Einzige. Die Begegnungen auf dem Weg, aber auch in den Ortschaften, mit Einheimischen, haben von unbedingtem Vertrauen zueinander und grosser Unterstützung gelebt. Dies zeigte sich beispielsweise durch Einheimische, die ihm «Buen Camino!» oder «Bonne Chance!» zuriefen. Er sei aber auch oft von Privatpersonen aufgenommen worden, bei denen er übernachten konnte. So erzählt er von einer Einheimischen, die ihm die Wohnung sogar allein überliess. Bedingungsloses Vertrauen gegenüber den Pilgernden auch hier. Unser Highlight? Das dürfte dann wohl die Vielfalt der Natur sein, die auf der gesamten Strecke begleitet.

Diese Einstellung und auch die Erlebnisse, von denen Claudio Föhn berichtet, leben im Verein Jakobsweg Graubünden weiter. Die Mitglieder treffen sich regelmässig zum Pilgersamstag und laufen eine Etappe des Jakobsweges gemeinsam ab. Nicht zu vergessen der anstehende Jakobus-Tag am 25. Juli, an dem es ein besonderes Programm geben wird. Mit der Gründung 2004 findet im nächsten Jahr zudem das 20-jährige Jubiläum des Vereins statt. Auch dieses Ereignis wird angemessen, mit prominenten Besuchenden und vielseitigem Programm, zelebriert.

Viele Wege, doch nur ein Ziel

In der Zwischenzeit kommen wir am Ziel an. Tamins. Von der Höhe aus blickt man auf das Dorf, die erhöhte Kirche und die Berge und Landschaften im Hintergrund. Doch von Ziel darf hier nicht die Rede sein. Während es endlos viele Startpunkte gibt, ist das Ziel immer nur das eine. Santiago de Compostela. So läge noch ein weiter weg vor uns.

Jakob der Ältere. Eine Legende, die auch heute noch viele Menschen bewegt und vereint. Ein Resultat davon, ist auch der Verein Jakobsweg Graubünden, der stets dafür sorgt, die Legende und die Bedeutung der Reise auf dem Jakobsweg am Leben zu halten.

Weitere Informationen sind auf folgender Webseite zu finden: www.jakobsweg-gr.ch

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