Schnäppchen-Berserker sollten in die Badewanne
Halloween und Singles Day sind durch. Black Friday und Cyber Monday stehen vor der Tür, und nach Weihnachten ist dann auch noch Boxing Day (der vermutlich mehr mit Geschenk-Boxen als mit dem Boxsport zu tun hat). Man haut uns (also doch Boxsport?) rund um den Jahreswechsel die Rabatte mit der groben Kelle um die Ohren. Die einen sind ekstatisch entzückt, wenn sie davon hören, die anderen hingegen einfach nur gestresst. Beim Shopping-Marathon – manche verfallen in Kriegsrhetorik und sprechen von Preiskampf und Rabattschlachten – gehen dann gerne auch Freundlichkeit und Kinderstube verloren. Krieg halt.
Obwohl ich mich – (sehr) zurückhaltend formuliert – als shopping-affin bezeichnen würde, gehen die meisten Aktionen an mir vorbei. Zu gross scheint mir die alljährliche Flut an Schnäppchen-Versprechen. Ich verliere den Überblick und wenn wir ehrlich sind, findet gefühlt eh immer irgendwo ein Ausverkauf statt. Schnäppchen haben das ganze Jahr Saison. Ausserdem weiss ich, dass grosse Menschenmassen das Potenzial haben, mich relativ rasch zur Weissglut zu bringen. Ich habe also gleich zwei Gründe, mich zwischen November und Januar nicht in die hiesigen Fussgängerzonen, Einkaufsmeilen und Shoppingzentren zu begeben.
Bis 1995 mussten Ausverkäufe in der Schweiz bewilligt werden. Der Staat schrieb vor, dass Ausverkäufe nach Weihnachten und im Sommer stattzufinden hatten. Danach wurden die Gesetze liberalisiert und seither herrscht Schnäppchen-Schlacht-Anarchie. Die Händler können Rabatte raushauen, wann und wie es ihnen beliebt – und sie tun das auch. Inspiration und Rechtfertigung finden sie weltweit in konsumbefeuernden Events wie den oben erwähnten. Wir Konsumenten nehmen das dankend an, rennen in die einschlägigen Konsumtempel und schwingen unsere Kreditkarte wie einen Zweihänder. Am Schnäppchen-Wühltisch ist sich jeder selbst der Nächste.