Rivella kommt aus einem Rapperswiler Badezimmer
von Martin Mühlegg
Molke entsteht, wenn Milch zu Käse oder Quark gerinnt. Sie enthält 94 Prozent Wasser, vier bis fünf Prozent Milchzucker, etwas Protein und einige Mineralstoffe. Sie kann zu Molkenkäse (Ricotta, Ziger u.a.) verarbeitet werden. Viel Molke wird zur Fütterung von Schweinen verwendet. Etliche Käser halten deshalb eigene Schweine.
Was zur Schweinemast verwendet wird, kostet nicht viel. Wem es gelingt, Molke zu einem gut bezahlten Produkt zu verwerten, der kann Geld verdienen. Dies wusste auch der Jurist Robert Barth, der zu Beginn der 1950er-Jahre mit seiner Gattin Gerty in Rapperswil wohnte. Über seinen Bruder Jean gelangte Robert an die Verwendungsrechte eines Rezeptes. Dank dieses in der Praxis noch nicht erprobten Rezeptes sollte es möglich werden, aus Molke Bier herzustellen.
1951 bestellte der damals 29-jährige Robert Barth von einem deutschen Camembert-Hersteller ein aus Molke gewonnenes Milchserum. In seinem Badezimmer an der Zürcherstrasse 56 startete er die ersten Versuche mit Milchserum, Mineralwasser und Kräuteraromen. Hans Süsli vom Milchtechnischen Institut der ETH Zürich beriet ihn dabei.
Ende 1951 erbte Barth von seiner Grossmutter 200 000 Franken und gründete die Einzelfirma «Milkin-Institut Robert R. Barth». In der ehemaligen Stäfner Weinhandlung «Gehrenau» fand er seine ersten Produktionsräume. Er kaufte gebrauchte Maschinen und richtete mit seinem Schwager Walter Horlacher und Süsli eine kleine Getränkefabrik ein. In einem Stationsverzeichnis der SBB stiess Barth auf das Tessiner Dorf Riva San Vitale. Weil Ortsnamen nicht ins Markenregister eingetragen werden dürfen, stöberte Barth in einem italienischen Wörterbuch. Dort fand er «Rivelazione» (Offenbarung) und leitete daraus mit seinem Reklameberater Friedrich Frank «Rivella» ab.
Am 13. März 1952 eröffnete Barth offiziell sein Stäfner Milkin-Institut. Das neue Produkt «Rivella» erhielt von Presse, Kundschaft und Handel Höchstnoten und entwickelte sich innert weniger Jahre zum Nationalgetränk. Anfang 1954 zogen die Barths und Rivella von Rapperswil und Stäfa nach Rothrist im Aargau.