Reformierte blicken verhalten optimistisch in die Zukunft
Von Stefan Hügli
Der Zusammenhalt in unserer Gesellschaft ist gefährdet und das Verständnis füreinander nimmt ab» – das sagte Brigitte Gafner, Davos, gleich zu Beginn der Sitzung des Evangelischen Grossen Rats und sorgte für offene Ohren. Die Gräben zwischen Stadt und Land, der Röstigraben, die Flüchtlingsfrage, das Ringen um klimagerechtes Handeln: Die Pandemie habe diese Spannungen verstärkt. «Plötzlich sind wir in Gruppen eingeteilt», so die Sozialdiakonin, «in Geimpfte und Ungeimpfte.»
Der Streit und die Konflikte, die daraus entstünden, gingen bis hinein in die Beziehungen, Freundschaften und Familien – und sie machten auch vor den Kirchgemeinden nicht halt. Gafner mahnt, das Einende mehr zu gewichten als die Differenzen und wirbt zugleich für eine entspannte Sicht: «Auch meine Kinder streiten, aber das zerstört nicht unsere Einheit als Familie.»
Verhalten optimistisch
Für Einigkeit unter den Räten sorgte das Budget der Kantonalen Evangelischen Kirchenkasse. Für das Jahr 2022 rechnet dieses mit Ausgaben von 11,6 Millionen Franken und Einnahmen von 11,5 Millionen Franken. Daraus resultiert ein Aufwandüberschuss von knapp 100 000 Franken. Dabei werden der Vorfinanzierung an kirchliche Bauten 350 000 Franken und der Vorfinanzierung für bezugsberechtigte Kirchgemeinden 200 000 Franken entnommen. «Wir dürfen mit verhaltenem Optimismus in die Zukunft blicken», meinte Finanzchef Eugen Caduff, die Wirtschaft habe sich besser erholt als erwartet. Trotz stabiler Aussichten mahnte Robert Heinz als Präsident der Geschäftsprüfungskommission zu Zurückhaltung bei den Projekten.
Neue Geschäftsordnung
Im Zuge der Umsetzung der neuen Verfassung beriet und verabschiedete der Evangelische Grosse Rat seine neue Geschäftsordnung. Diese berücksichtigt das neue Wahlverfahren des politischen Grossen Rats und regelt den Einbezug der stellvertretenden Mitglieder. Der Einbezug der Mitglieder des politischen Grossen Rates ist wichtig für die breite Abstützung – darin waren sich die Räte einig. So wurde etwa die Entscheidung für die Kultussteuer im politischen Grossen Rat getroffen – und nicht im Kirchenparlament. Die Vorlage wurde ohne Gegenstimme verabschiedet. Damit ist die Umsetzung der neuen Kirchenverfassung weiterhin auf Kurs.