Realität und Thriller im Bündner Bergdorf
Wasserkraft ist in Graubünden weit verbreitet. Dass dafür ein ganzes Bündner Dorf weichen musste, darüber wird immer wieder gesprochen. «Suedostschweiz.ch» macht eine Reise nach Marmorera, wo genau dieses Szenario eintrat.
Von Realität …
Wir schreiben das Jahr 1948. Die Gemeindeversammlung von Marmorera stimmt am 17. Oktober im Restaurant Julier mit 24 Ja-Stimmen und zwei Nein-Stimmen für die Errichtung eines Stausees. Die Gemeinde bietet dem Elektrizitätswerk der Stadt Zürich zuvor eine Konzession für den Stausee an. Dies zu sehr günstigen Verhältnissen. Für die nächsten 80 Jahre soll die Nutzung der Wasserkräfte festgelegt werden.
Das schwere Schicksal: Weil die Einwohner von Marmorera fast alle nur Italienisch und Romanisch sprechen, werden laut diversen Medienberichten viele dazu gebracht, einen Vertrag auf deutsch zu unterschreiben. Dieser besagt, dass ihr Land enteignet wird.
Vier Jahre später wird das alte Dorf überflutet. Alle Gebäude werden zuvor zerstört und der Friedhof umgesiedelt. Knapp 100 Personen verlieren ihre eigenen vier Wände, einige ihre ganzen Existenzen. Marmorera wird oberhalb des Stausees neu aufgebaut. Heute ist Marmorera aufgeteilt in zwei Siedlungen; Scalotta und Marmorera-Dorf.
Marmorera war bis zum 31. Dezember 2015 eine politische Gemeinde. Am 1. Januar 2016 fusionierte Marmorera mit den Gemeinden Bivio, Cunter, Mulegns, Riom-Parsonz, Salouf, Savognin, Sur und Tinizong-Rona zur neuen Gemeinde Surses.