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Leben und Freizeit

Professor Peter Matter zum 90. Geburtstag

Als Ehemalige, Assistenten, Oberärzte und später Kollegen und Partner sind heute unsere Gedanken bei Peter Matter, der in grosser Vorbildfunktion unser ­Leben relevant beeinflusst hat.
Davoser Zeitung
26.07.2022, 11:49 Uhr
gestern um 12:16 Uhr

Bereits nach seinem Start 1971 als Chefarzt hat er mit seinem Team das alte Spital Davos in kurzer Zeit in ein Kompetenzzentrum für Frakturbehandlungen verwandelt. Damals war die Mehrzahl der Skiverletzungen Frakturen der unteren Extremitäten. Bis zu dieser Zeit ­wurden die meisten dieser Verletzungen konservativ mittels Gipsimmobilisation behandelt. Neu war das Ziel, diese ­Patienten rasch zu operieren und zu ­mobilisieren, nicht zuletzt auch, um die Hospitalisationszeit kurz zu halten und um den Ansturm an Verletzten in der Wintersaison mit der limitierten Bettenzahl organisatorisch bewältigen zu können. Nicht selten wurden bis tief in die Nacht die Frakturen operiert – eine grosse Herausforderung fürs ganze Spital.

Durch die TV Sendung «praktische Medizin», moderiert von Mäni Weber, mit einer Live-Übertragung einer Osteosynthese direkt aus dem OP-Saal Anfang der 1970er-Jahre wurden das Spital Davos und diese neue Behandlungstechnik schweizweit bekannt.

Ein überdurchschnittlicher Arbeitseinsatz wurde bei Bedarf vom ganzen Team gefordert, Wochenarbeitszeitbegrenzung war zu dieser Zeit unbekannt, die Arbeitszeit hatte sich nach dem Bedarf der Institution zu richten. Dafür ermöglichte ­Peter uns in ruhigeren Zeiten eine gross-zügige Freitzeitkompensation und auch gemeinsame teambildende Aktivitäten und schliesslich auch das unvergessliche «Erntedankfest» am Ende der Winter­saison für alle Mitarbeiter des Spitals.

Peter Matter ist eine polyvalente Persönlichkeit. Nicht nur ein ausgezeichneter Chirurg mit Vorbildfunktion, sondern auch ein guter Lehrmeister mit Kontakten zur Basler Chirurgenschule unter Professor Allgöwer. Als Chef war er immer ruhig und bescheiden, zwar fordernd aber mit natürlicher Autorität und immer in bestem Arbeitsklima. Viele seiner Schüler haben später eine medizinische Karriere gemacht und würdigen die fachlich und menschlich wertvolle Zeit im Kraftort Davos. Der «Spirit of Davos» wurde echt gelebt. Peter Matter war auch Forscher und «Tüftler», vor allem in der Zusammenarbeit mit Professor Perren und seinem Team in der AO. Die AO-Mitarbeiter waren nicht selten im OP, um gemeinsame Instrumente/Implantate zu entwickeln oder zu testen. Die Patienten profitierten von dieser Zusammenarbeit mit den neusten Entwicklungen als erste. Die traditionellen jährlichen AO-Dezemberkurse mit live ins Kongresshaus übertragenen Operationen in den 80- und 90-er Jahren und die Visiten von AO-Fellows aus der ganzen Welt in der Wintersaison förderten einen anregenden und fruchtbaren Gedankenaustausch.

Präventive Massnahmen wie Sicherheitsbindungseinstellungen, nicht nur für das Spitalpersonal, sondern auch im Feld, und eine enge Zusammenarbeit mit dem BfU mit prospektiven Studien unter ­Zusammenarbeit mit den regionalen Hausarztpraxen, Rettungsdiensten und Bergbahnen ermöglichten wertvolle Rückschlüsse für die Unfall-Prävention. Eine differenzierte Wintersport-Unfallstatistik über Jahre resultierte in diversen Publikationen.

Um für Grossereignisse wie WEF, grosse Kongresse und Veranstaltungen gerüstet zu sein, wurde eine Katastrophenorganisation geschaffen und durch Matters Initiative die Zusammenarbeit der regionalen Einsatzkräfte geübt. Ein weitsichtiger strategischer Entscheid war die Erweiterung Chirurgie und Traumatologie 1994 durch die Orthopädie. Mit einer Ärzte­rochade mit der Schulthessklinik ermöglichte er Peter Holzach, sich zusätzlich zum Facharzt für Orthopädie auszubilden.

Minimal invasive Operationstechniken wurden schon sehr frühzeitig (1983 die Gelenkarthroskopie und 1992 die erste laparoskopische Gallenblasenentfernung im Kanton) im Spital Davos angeboten, auch dank der Weitsicht von Peter Holzach und Domenic Scharplatz.

Die visionäre Idee einer elektronischen Patientenkarte (damals in Form einer Chip-Karte) beschäftige Matter schon in den 1980er-Jahren. Leider konnte dieses Projekt nie weiter entwickelt werden. Erst jetzt, fast 30 Jahre später, wird seine damalige Vision hoffentlich endlich Realität.

Diese Leistungen konnte er dank der grossen Unterstützung durch seine Frau Bärbel und die vier Kinder erbringen.

Wir gratulieren dem Jubilaren herzlich und wünschen ihm alles Gute im Kreise seiner grossen Familie und seiner Freunde.

Peter Holzach, Domenic Scharplatz

und Markus Kamber

Gratulation

Professor Peter Matter zum 90. Geburtstag | Südostschweiz