Pferd, Ross, Biene und Wäspi
von Lorena Tino
Die lange Treppe überwunden. Nun noch ein kurzer Aufstieg und da sind wir. Auf dem Biohof Hilarien über den Dächern der Stadt Chur. Hier wurde erstmals die Sommerferienwoche, organisiert vom Programm «Deutsch für die Schule» der Stadt Chur, umgesetzt. In der Einfahrt sind zahlreiche Bobby-Cars neben einem Steckenpferd und einem Traktor parkiert. Die Kinder sitzen hinter dem Haus im Schutze des grünen Sonnensegels beim «Znüni». Doch lange dauert die Pause nicht. Schon bald verteilen sich die Kinder wieder auf ihre Gefährte und sausen den Hügel hinunter. Aber nicht alle. Einige haben noch ein «Ämtli» zu erledigen. Mit Schaufel und Karrette sammeln sie selbstständig den Mist auf der Pferdeweide ein. Doch worum ging es hier noch mal? Deutsch lernen. Genau.
Sprechen, hören, fühlen
Das Programm «Deutsch für die Schule» möchte fremdsprachige Kinder im Spielgruppenalter auf die Einschulung in den Kindergarten vorbereiten. Während des spielerischen Programms auf dem Biohof Hilarien wird stets Schweizerdeutsch gesprochen. Lieder gesungen, die Natur erkundet und einander unterstützt. All das gehört zum Alltag während der Tage auf dem Hof. Es handelt sich also nicht um einen Sprachkurs, sondern um ein lehrreiches Erlebnis. Das Programm ermöglichte vorgängig den fremdsprachigen Kindern, im Jahr vor ihrem Kindergarteneintritt an zwei Halbtagen pro Woche Deutsch zu lernen. Denn viele dieser Kinder haben in ihrem Alltag keine Berührungspunkte mit der Landessprache. Die Eltern wie auch das Umfeld sind meist fremdsprachig. Um das Gelernte zu festigen, konnten sie nun während einer Woche morgens auf dem Hof mithelfen, spielen und viel lernen. Nebst ausmisten, Eier einsammeln und Bobby-Car-Rennen wurde also fleissig Schweizerdeutsch gesprochen. Dabei wurden neue Wörter gelernt, wiederholt und gefestigt. Ganz einfach. Nebenbei. Geleitet wurde die Erlebniswoche von den drei Spielgruppenleiterinnen Natalie Prevost, Sarah Müller und Flavia Brüesch. Letztere ist auch die Gastgeberin hier auf dem Hof. «Viele Kinder waren noch gar nie richtig in der Natur oder im Dreck. Das war eine ganz neue Erfahrung, aber sie haben sich schnell angepasst und auch grossen Spass daran», lässt sie uns wissen. Die Kinder würden so die neuen Worte oder Ausdrücke, die sie lernen, mit Erlebnissen verbinden. Doch zurück zum Geschehen auf dem Hof.