Pendeln für die Gesundheit
«Das ist ökologisch, günstig und gesundheitsfördernd», sagt Thomas Perren dazu.
Nein, er sei kein «Vergifteter», und er habe auch nichts mehr zu beweisen, sagt der Orthopäde am Kantonsspital Graubünden und Spital Davos. «Ich mache das ganz alleine für mich und für meine Gesundheit. Doch es macht auch Spass.» Mit dem Velo am Morgen nach Chur und nach einem zehnstündigen Arbeitstag wieder zurück? Da sind Fragezeichen doch wohl erlaubt. Natürlich helfe die elektronische Unterstützung, lacht Perren ob der Zweifel. «Ich weiss nicht, ob ich es ohne geschafft hätte.» Doch, auch mit E-Rennvelo, warum tut man sich so etwas an?
Auszeit zum Nachdenken
Angefangen hat es vor drei Jahren zu Beginn der Coronapandemie. Eine aus Afrika mitgebrachte Infektion bescherte Perren einen zehntägigen Aufenthalt in einem Spitalbett. «Da hatte ich Gelegenheit, mir Gedanken über meinen eigenen Gesundheitszustand zu machen», erzählt der Arzt. Die Erkenntnis war ernüchternd: «25 Jahre lebte ich nur für den Beruf und die Familie. Wenn ich gesund alt werden will, ist es an der Zeit, etwas für mich zu tun.» Denn Gesundheit sei nicht nur ein Geschenk, ist Perren überzeugt. Es liege an jedem einzelnen, Verantwortung zu übernehmen und etwas dafür zu tun. Mit seinen fast sechzig Jahren habe auch er erste Altersbeschwerden festgestellt.
So fing er mit Langlaufen an – «Aufgrund alter Sportverletzungen brauche ich eine gelenkschonende Betätigung.» – und beschloss, nach der Schneeschmelze ein bis zweimal pro Woche seinen Arbeitsweg mit dem Velo zurückzulegen. Seither steigt er zwischen Mai und Oktober rund 25 Mal um 5.20 Uhr auf sein Rennvelo. Einige Minuten nach sieben ist er im Kantonsspital, wo er nach einer raschen Dusche um 8.30 Uhr bereit für die Arbeit ist. Etwas länger dauert die Fahrt auf dem Rückweg. «Da breche ich nach Möglichkeit um sechs Uhr auf und bin dann gegen zwanzig nach acht zu Hause.» Dank moderner Technik sei das möglich, und er habe an sich selber beobachten können, wie gut das tue. «An solchen Tagen betreibe ich zwar vier Stunden Sport, aber ich fühle mich topfit, habe weniger Hunger und bin völlig entspannt.» Ganz anders sei es, wenn er den Weg mit dem Auto zurücklege. «Ist man einmal zu Hause und hat sich hingesetzt, kommt man doch kaum mehr hoch», beschreibt er einen vielen nur allzu vertrauten Zustand.