«Putschä uf Pra»
Zu Ostern gehören ganz verschiedene Bräuche. Viele davon sind bereits ausgestorben, aber es gibt sie mancherorts auch heute noch. Im Engadin bestehen beispielsweise noch «Eierbahnen», im Oberland wirft man die Eier durch die Gegend und in gewissen Prättigauer Dörfern wird am Montag das Ei auch heute noch mit der ganzen Dorfbevölkerung geputscht.
Eierputschen im Prättigau
Als Grüscherin war ich ein wenig überrascht über die verdutzten Blicke während einer Eierputsch-Diskussion. Denn für mich ist Ostern nicht nur putschen mit der Familie, sondern mit dem ganzen Dorf. Seit Jahrhunderten trifft sich die Grüscher Bevölkerung am Ostermontag bei jeder Witterung zum traditionellen Ostereierputschen.
Jeder nimmt ein paar seiner gefärbten Eier mit zum Treffpunkt und dann wird auf «gältä» geputscht. Das bedeutet, der Besitzer des stärkeren Eis kriegt das gebrochene Ei des Gegners. Dabei wird darauf geachtet, dass jeder die gleichen Voraussetzungen hat, indem zuerst Spitz auf Spitz und dann «Füdli» auf «Füdli» geputscht wird.
Das Ei, das zuerst beidseitig eingeputscht ist, darf der Gegner mitnehmen. Vor vielen Jahren, fand der Brauch jeweils noch im Ortsteil «Pra» statt. Daher verbinde ich Ostern bis heute mit dem Begriff «Putschä uf Pra». Die Musikgesellschaft sorgt alljährlich für gute Unterhaltung und so fühlt sich ein Ostermontag in Grüsch beinahe wie ein kleines Dorffest an. Neben Grüsch findet auch auf der Burg Castels in Putz das Eierputschen noch traditionell statt.
Eierbahn im Engadin
Einen weiteren Ostereierbrauch, der heute noch existiert, findet man in Bever. Was aussieht wie eine Bobbahn in Kleinformat, nützt die Bevölkerung seit Jahrhunderten für die bemalten Eier. Im Graben auf einer etwas abschüssigen Halde werden die Ostereier hinuntergerollt. Wenn man Pech hat, fliegt das Ei auf dem Weg ins Ziel aus der Bahn und geht kaputt. Wer Glück hat, kann mit dem selben Ei gleich mehrere Anläufe bestreiten. Das Ei welches am längsten in der Bahn bleibt und nicht kaputt geht, ist dann das sogenannte «Siegerei».