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Leben & Freizeit

Ohne Wasser keine Bildung

Bündner Woche
21.07.2022, 16:00 Uhr
heute um 12:16 Uhr

Von Lorena Tino

Renntenue und Veloschuhe an, Helm auf und los gehts. Moment. Den Wasserkanister vergessen. Jetzt kann es losgehen. Wasserkanister und Velorennen? Genau. So geht es im Rennteam der Stiftung Summits4Hope seit diesem Sommer zu und her. An einem lauen Sommerabend empfangen wir einen Teil des Rennteams von der Stiftung Summits4Hope im Medienhaus in Chur. Gründer Gilbert Fisch mit den zwei Bündner Spendenfahrenden Annette Friedrich-Dönz und Christoph Trappitsch. Allesamt mit Fahrrad, Teambekleidung und Wasserkanister. Dass alle drei mit vollem Einsatz dabei sind, wird schon nach einem kurzen Wortwechsel klar. Aber beginnen wir am Anfang.

Mit gelben 20-Liter-Kanistern

Mosambik. Afrika. Ein Land, in welchem der grösste Teil der Bevölkerung keinen Zugang zu Trinkwasser hat. Ein Land zu dessen Bevölkerung eine erschreckend hohe Zahl an Analphabeten gehört. Eine Bevölkerung, die zu 44 Prozent aus unter fünfzehnjährigen Kindern besteht. Und genau hier setzt die Stiftung Summits4Hope an. Mit Herzblut und Schweiss setzt sich der Gründer Gilbert Fisch und sein Team für den Fortschritt in Mosambik und Kenia ein. Besonders liegen ihm die Gewährleistung von Wasserversorgung, Zuflucht und Bildung am Herzen.  Denn wo es kein Wasser gibt, ist die Bildung noch ferner. Für das aktuelle Projekt «WASH (Wasser, Sanitäreinrichtungen, Hygiene)» werden diesen Sommer fleissig Spenden für sanitäre Anlagen gesammelt. Dies aber nicht auf konventionelle Art und Weise, sondern mit aussergewöhnlichen sportlichen Leistungen. Hier kommen Christoph Trappitsch und Annette Friedrich-Dönz zum Einsatz. Die beiden stehen regelmässig an der Startlinie von diversen Rennen, um die Projekte für die Kinder in Ostafrika zu unterstützen. Dafür haben sie das Rad aber nicht neu erfunden. «Wir nutzen dazu das klassische System vom Sponsorenlauf», erklärt Gilbert Fisch. Trotzdem gehen sie nicht in der Menge unter, denn mit einer neuen Aktion sorgt das Team an den Rennen für Aufsehen und setzt dazu noch ein Zeichen. Das Team fährt mit gelben 20-Liter-Kanistern auf dem Rücken, quasi als Wasserträger und Wasserträgerinnen, an den Rennen mit. «Selbstverständlich sind sie leer. Ansonsten wäre es zu gefährlich», löst der Gründer auf. Es geht aber um eine wichtige Botschaft. Es regt zum Nachdenken an. Täglich müssen unzählige Menschen auf der Welt kilometerlange Fussmärsche auf sich nehmen, um an Trinkwasser zu gelangen. Dies mit Wasserkanistern auf dem Rücken. Viel zu viel Zeit und Kraft wird täglich dafür benötigt, um gegen die Wassernot zu kämpfen. Es konnten schon einige Projekte in Kenia und Mosambik umgesetzt werden. Finanziert durch die erzielten Spenden von diversen Lauf- und Radrennen, an welchen die Stiftung teilgenommen hat. Sanitäre Anlagen und Schulen konnten entweder renoviert oder neu gebaut werden. Die langfristigen Bildungsprogramme ermöglichen den Kindern den Schulbesuch, was oft der einzige Weg aus der Armut ist.

1036 Kilometer rund um die Schweiz

«Wir leisten etwas für diese Spenden», so Gilbert Fisch stolz. Und das darf man gerne glauben. In diesem Jahr hat die Stiftung bereits an zwei von vier geplanten Radrennen, sogenannten Gran Fondos, teilgenommen. Das Rennteam kämpft sich durch Temperaturschwankungen und überwindet tausende von Höhenmetern, während es der Gewalt der Natur ausgesetzt sind. Als nächste Herausforderung stellen sie sich der «Tortour Ultra Cycling», welche sich über 1036 Kilometer rund um die Schweiz zieht. «Zu wissen, was wir damit bewirken können, treibt uns an den Rennen stets an und hindert am Aufgeben», teilt Christoph Trappitsch seine Erfahrungen. Auch Annette Friedrich-Dönz musste nicht zweimal überlegen, ob sie mitmacht. «Es fordert einen persönlich heraus und gleichzeitig will man auch ein gutes Spendenergebnis für die Kinder erreichen», beschreibt sie ihre Motivation.

Dem Blitz entkommen

Die Drei haben schon so einiges auf ihrer Mission erlebt. Dem Blitz entkommen, das Navi falsch gelesen und vor allem den inneren Schweinehund überwunden. «Es gab diesen Moment, während einem Rennen, da fuhren wir die Schwägalp hinauf, da habe ich mir gesagt: ‹Nie mehr›», bringt Annette Friedrich-Dönz die Runde zum Lachen. Und trotzdem. Im Nachhinein stellen sie sich alle wieder, Mal für Mal, an die Startlinie und geben alles. «Es ist so schön ein Teil sein zu dürfen von dem Ganzen und überhaupt, es gibt nichts Gutes, ausser man tut es.» So sorgt auch Christoph Trappitsch zum Schluss noch für einen Lacher.

www.summits4hope.ch

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