Ohne Regen keine Frösche
von Elea Bank und Francesca Albertini
Im Meiersboden in Churwalden haben die Amphibien Glück. Hier gibt es noch ein paar feuchte Gebiete, in denen die Frösche überwintern konnten. Das Biotop ist voller gurrender Grasfrösche, Erdkröten und Bergmölche. Es ist aber einer der wenigen Orte im Churer Rheintal, an dem es noch eine grosse Amphibienpopulation gibt.
Trockener Frühling
Im Wasser sind bereits vereinzelt erste Laichklumpen zu sehen. Ein Zeichen, dass die Paarungszeit der Frösche in vollem Gange wäre. Die Trockenheit in diesem Frühling macht den Amphibien aber besonders zu schaffen. Laut Renata Fulcri, Regionalkoordinatorin Amphibienschutz im Kanton Graubünden, warten alle sehnsüchtig auf den nächsten Regen. «Die Amphibien sind noch nicht losgelaufen, sie befinden sich noch immer im Winterquartier. Hier ist es noch etwas kühl und feucht.» Ohne Amphibienwanderung kann laut Fulcri auch keine Paarungszeit stattfinden.
Obwohl es in der Nacht bereits genug warm ist, fehlt der Regen. Dieser wäre der Treiber, damit sich die Tiere auf den Weg zu den Laichgewässern machen. «Die Seitenbäche führen wenig Wasser und so viel Schnee kann nicht schmelzen. Die Trockenheit ist das, was die Amphibien zurückhält», so Fulcri. Von diesem Problem sind vor allem die Täler betroffen. Besonders im Churer Rheintal und auch in Südbünden wartet man noch auf die grosse Wanderung.
An Land klappt es nicht
Frösche brauchen Gewässer, um sich fortzupflanzen. Nach der Paarung legen die weiblichen Frösche die Eier – sogenannte Laichklumpen – im Wasser ab. Wenige Wochen später schlüpfen aus den kleinen schwarzen Pünktchen im Laich kleine Kaulquappen. Diese haben aber noch Kiemen, mit denen sie Sauerstoff aus dem Wasser aufnehmen.
«Erst wenn sie genug lange im Wasser waren und sich mit Algen vollfressen, machen sie die Entwicklung durch und werden zu kleinen Fröschen. Dann wechseln sie auch von der Kiemenatmung zur Lungenatmung», erklärt Fulcri. Der ganze Prozess dauert ungefähr acht Wochen.
Die Frösche sehnen sich nach Regen
Nicht nur die Frösche leiden
Wenn es immer weniger Jungfrösche gibt, hat dies eine Auswirkung auf ihr gesamtes Ökosystem. Laut Fulcri sind viele Tiere auf eine funktionierende Amphibienpopulation angewiesen: «Die Laichklumpen sind beispielsweise Futter für Bergmölche sowie Kaulquappen für Libellenlarven. Grasfrösche werden wiederum von Graureihern und Rabenkrähen gefressen… Wenn es weniger Amphibien gibt, wird es auch weniger andere Tiere geben. Das sieht man nicht von heute auf morgen, doch das wird sich im Laufe der Jahre zeigen.»
Wenn man es ganz düster anschaut, dann werden Amphibien aussterben.»
Renata Fulcri, Regionalkoordinatorin Amphibienschutz GR
2012 hatte der Kanton Graubünden verschiedene Klimaszenarien berechnen lassen. Diese haben ergeben, dass sich so trockene Jahre wie dieses noch vermehrt zeigen werden. «Amphibien sind robust, sie können sich zu einem gewissen Teil weiterentwickeln. Aber momentan sind die Prognosen tatsächlich nicht so rosig», meint Fulcri und führt aus: «Wenn man es ganz düster anschaut, dann werden Amphibien aussterben.»
Die Klimakrise ist aber nur einer von vielen Faktoren. Weitere Probleme sind der immer kleiner werdende Lebensraum oder der zunehmende Verkehr, wegen dem die Frösche immer öfter überfahren werden. Der Kanton Graubünden unternimmt aber Verschiedenes, um das grosse Amphibiensterben zu verhindern. So werden laut Fulcri beispielsweise die Wanderwege durch Tunnel sicherer gemacht und weitere Biotope seien in Planung.