Nur träumendes Gras?
Weihnachten ist ganz einfach: Wir feiern die Geburt Jesu, das Leben das neu beginnt. Wenn ein Kind geboren wird, dann freut man sich. Karfreitag ist da schon schwieriger, auch wenn wir wissen, dass der Tod zum Leben gehört. Der Tod von Jesus ist zwar in seiner Brutalität schwer zu verstehen, aber ein Rätsel ist er nicht.
Ostern dreht die Sache um
Aber Ostern ist eine ganz andere Sache, da fehlt uns manchmal der direkte Bezug. Wir haben die Ostererzählungen, die von dem leeren Grab reden und davon, dass trauernde Menschen zurück zur Hoffnung und ins Leben fanden. Diese Frauen und Männer erzählten davon, dass Jesus nicht bei den Toten war, sie erzählten davon, dass Kräfte und Mächte umgedreht wurden: Tod war plötzlich Leben, Ohnmacht plötzlich Macht, und aus Hass wurde Liebe.
Ostern bringt Veränderung
Doch was genau geschah, ist nicht so einfach zu verstehen, wir können es nicht in unsere Welt einordnen. Es wird erzählt, dass die Welt und die Menschen sich änderten und es bis heute tun. Aus Angst wird Mut, dem Bösen wird die Hoffnung, dem Tod das Leben und die Liebe entgegengesetzt. Menschen fangen an zu vertrauen, wo sie es längst verlernt haben. Und so feiern wir Christen auch heute noch das Leben gegen den Tod. Wir feiern die Hoffnung, gegen die Hoffnungslosigkeit, die Liebe gegen den Hass. Rational ist das nicht, es ist eine Herzenssache. Für uns Christen hat dieses Leben, diese Hoffnung und diese Liebe einen Namen: Jesus Christus. Und das Wort, das für all diese Verwandlung gebraucht wird, ist «Auferstehung».
Ostern ist ein Rätsel
Nein, Ostern lässt sich nicht so einfach einordnen, doch wir glauben, dass das Leben, die Liebe und die Hoffnung auch heute für uns gelten. Doch was bedeutet das für mich? Wie soll ich diese Geschichte verstehen?
Ich bin vor kurzem über ein kleines Foto gestolpert, das mich an Ostern erinnert hat: Da war ein grünes Schild darauf, wie man es in mancher Stadt findet: «Rasen betreten verboten». Doch hier stand ein anderer Text: «Bitte nicht stören, das kleine Gras träumt.» Gras, das träumt, was soll denn das sein? Soll man Rücksicht nehmen auf träumendes Gras? Den Rasen kann man betreten, wenn man sich nicht an die Regeln halten will, doch wer will schon «träumendes Gras» stören.