Sie sind gekommen, um zu bleiben
Barbara Gassler
«Wenn zwei erwachsene Wölfe so beständig gemeinsam unterwegs sind, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass es sich um ein Paar handelt», erklärt Arno Puorger, akademischer Mitarbeiter Grossraubtiere beim Amt für Jagd und Fischerei (AJF) in Chur. Gesichert sei das jedoch noch nicht, fügt er an. Dazu bräuchte man wie beim männlichen Tier den genetischen Nachweis durch Speichel, Kot oder Urin. Allerdings habe man einzelne Bildnachweise, bei denen das eine Tier kleiner gewesen sei als das andere. Auch das sei ein Hinweis auf ein Weibchen. Unterwegs sind die beiden Wölfe auf praktisch dem ganzen Gemeindegebiet vom Laret bis nach Wiesen. «Nachweise haben wir sowohl aus den Seitentälern wie auch den beiden Seiten des Haupttales.» Damit würden sie über ein vergleichsweise grosses Revier verfügen, das wohl hauptsächlich durch geringe Konkurrenz zustande komme. «Mit menschlicher Präsenz kommen Wölfe dagegen recht gut zurecht. Darum hat das keinen entscheidenden Einfluss.» Störungsempfindlich würden sie vor allem bei der Aufzucht der Jungen.
Vergleichsweise unauffällig
Umgekehrt störten die beiden Beutegreifer bisher auch die menschlichen Geschäfte nicht. «Es sind uns weder Nutztierrisse noch eine problematische Nähe zu den Siedlungen bekannt», sagt Puorger. Im Moment steche das Paar im Vergleich zu anderen Kantonsteilen nicht als problematisch hervor. Als vorbildlich bezeichnet er den Umgang der Gemeinde Davos mit der Ansiedlung des Wolfes. «Es ist sehr begrüssenswert, wie Davos sich Gedanken macht und bereits im Vorfeld Abläufe festlegt», sagt Puorger. Er spricht damit die im vergangenen Frühjahr gegründete «Arbeitsgruppe Wolfspräsenz in Davos» an. Gemeinde und Landwirte haben darin festgelegt, was zum Beispiel zu geschehen hat, wenn Herden aufgrund der Wolfspräsenz unruhig werden. So besteht eine Hotline, wo sich Tierbesitzer melden können. Besprochen werden dann Massnahmen wie etwa Wegsperrungen. Damit soll verhindert werden, dass es zu möglicherweise gefährlichen Begegnungen zwischen dem auf Verteidigung eingestellten Vieh und den Benutzern von Bergwegen kommt. Mit im Boot ist dabei auch die Destination, die Sperrungen unverzüglich publik macht. Trotz der bestätigten Wolfspräsenz, im August wurde M244 im Sertig an einem Hirschkadaver nachgewiesen, wurde die AG aber kein einziges Mal in Anspruch genommen. Damit das so bleiben kann, heisst es auf jeden Fall weiterhin und in Zukunft: Nicht füttern!