Eine, die die Welt kreiert
Von Laura Kessler
Die perfekte Wohnung für das perfekte Bild. Instagrammable. So muss es sein bei einer Frau zu Hause, die auf Instagram einen perfekten Feed präsentiert. Schön inszenierte Bilder von schönen Orten und von ihr, Maria Grazia Ciardo, einer schönen Frau mit einer schönen Familie. Das perfekte Leben, dargestellt auf Instagram. Das perfekte Leben, versinnbildlicht in der gestylten Wohnung. So die Aussensicht auf das Leben von Maria Grazia Ciardo, einer Zweifachmama, einer Praxismanagerin, einer Autorin und einer Influencerin? «Nein, Influencerin bin ich nicht», sagt sie am Küchentisch sitzend, vor sich ein fast volles Glas Wasser.
Die Emserin hat etwas über 14 000 Followerinnen und Follower und 1000 Beiträge auf Instagram. Sie zeigt sich und ihre Familie hauptsächlich beim Reisen, mal am Strand, mal in der Stadt, mal auf dem Land. Immer schön, immer perfekt. Eine Inszenierung? «Instagram ist ein Ort, den ich für mich perfekt gestalte, aber ich inszeniere nicht», sagt sie. Ihre Posts seien nicht konstruiert, auch wenn sie viel Zeit in sie investiere.
Nicht ihre ganze Welt, nicht ihr ganzes Leben
Vielmehr sind sie Ausdruck ihres Perfektionismus – genau wie es die Wohnung auch ist. Das sei sie, das mache sie nicht für ihre Followerinnen und Follower, sagt Maria Grazia Ciardo. Der Content ist ein Teil ihrer eigenen Welt. Nicht ihre ganze Welt, nicht ihr ganzes Leben. Nicht die Realität in ihrer Gesamtheit. «Instagram ist nicht das Leben. Es ist Inspiration, eine Welt, die ich kreieren kann», sagt sie. Für Maria Grazia Ciardo ist der Social-Media-Kanal ein Tagebuch, wo sie Momente und Gedanken festhält. Deshalb löscht sie auch keine Posts. «Das wäre, als wenn ich einen schönen Moment meines Lebens löschen würde.»
Seit 2012 ist Maria Grazia Ciardo auf Instagram aktiv. Vorher bloggte sie, ging grosse Kooperationen mit grossen Brands ein, besuchte Veranstaltungen und Events. Jetzt tut sie das nicht mehr. Ganz bewusst. Sie möchte keinen Content erfinden müssen und sie will nicht für diesen leben. «Ich möchte meine Followerinnen und Follower nicht 24 Stunden mitnehmen, nur weil ich das muss», sagt sie. Auf Instagram zeigt sie das, was ihr guttut. Was ihr gefällt. Und sie tut damit, was ihr gefällt: Schreiben und fotografieren. Genau dafür seien die sozialen Medien doch da. Sie seien Orte der Kreation, an denen man glücklich sein könne. «Das will ich transportieren. Indem ich zeige, was mir Freude bereitet, sollen sich andere inspiriert fühlen, auch das zu tun, was sie mögen. Solange man versteht, dass die sozialen Medien eine Art der Illusion sind, aus der man immer wieder auftauchen muss.» Auftauchen aus der Onlinewelt und abtauchen ins Hier und Jetzt. Auch das hat Maria Grazia Ciardo lernen müssen. «Der Moment ist jetzt», sagt sie. Und das lebe sie seit einigen Jahren ganz bewusst. Durch den frühen Tod ihres Vaters hat sie erkannt, dass es nichts bringt, alles auf später zu verschieben.