Dank Handyapp erwachen Kirchen zum Leben
Die Geschichte nahm ihren Ursprung im Sommer 2020. Die damalige St.-Johann-Mesmerin Margret Disch fand nämlich, dass die hohe Kirchendichte in Davos viel Potenzial böte. So rief sie einige Mitglieder der AKiD (Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Davos) zusammen, und man beriet, was man tun wolle, um diesem Umstand gerecht zu werden. Ein simples Flugblatt wollte man nicht machen – hingegen favorisierte man eine App für das Handy, die den Interessierten die Geschichte und Geschichten hinter den Sakralgebäuden näherbringen soll. Marc Schmed, Pfarrer der Freien evangelischen Gemeinde Davos (FEG), knüpfte daraufhin den Kontakt zur Fachhochschule Graubünden (FHGR). «Ich ahnte damals nicht, wie viel Aufwand hinter der Erarbeitung einer solchen App steckt», erzählt er rückblickend im Gespräch mit der DZ.
Studierende im Wettkampf
Im Zuge eines «Brainstormings» definierte man den Auftrag, den die Informatikstudierenden der FHGR erhalten: Die App soll inhaltlich das Dreieck aus Bewegung – Erlebnis – Inspiration aufnehmen. In enger Zusammenarbeit mit Professor Michel Pfeiffer wurden diverse Konzepte erarbeitet. Zudem wurde in Davos Lokalhistoriker Klaus Bergamin ins Projektteam miteinbezogen, der wertvolles Wissen beisteuerte. Nun lag es an den 22 Studierenden, einen überzeugenden Vorschlag für die App abzuliefern. Von den fünf Gruppen durfte diejenige mit der besten Idee im Oktober 2021 ein Wochenende lang im Waldhotel logieren – Projektteammitglied Marietta Zürcher sei Dank. Was ebenfalls von der FHGR geliefert wurde, war ein Finanzierungsplan. «Aus diesem ging hervor, dass eine fertige App 70 000 bis 100 000 Franken kosten würde, wenn wir sie von einer Firma produzieren lassen würden», erklärt Schmed. Dieser Beitrag hätte die AKiD alleine aber nie stemmen können.
Dank FH Brugg Richtung Ziel
Dank des Einsatzes vieler Freiwilliger und der Unterstützung durch verschiedene Kulturförderungsfonds konnte dann ein gangbarer Weg eingeschlagen werden. Mit dabei war ab diesem Zeitpunkt auch FEG-Mitglied Tiziano Schacht, der den Kontakt zur FH Brugg knüpfte. «Während Informatik-Studierende aus dem 3. und 4. Semester die Grundprogrammierung vornahmen, kümmerten sich Schacht sowie Marteen de Laat im Rahmen ihrer Bachelor-Arbeiten um die Erstellung der ‹Augmented-Realitiy›-Elemente», blickt der FEG-Pfarrer zurück. Diese Technologie, kurz AR genannt, kommt nun bei der Marienkirche, der Englischen Kirche und der Kirche St. Theodul zum Einsatz. Die App-Benutzenden können dort mit ihrer Handy-Kamera auf gewisse Elemente – wie Fenster oder Malereien – zielen, und anschliessend wird diesen Elementen «Leben eingehaucht». Mehr sei an dieser Stelle aber nicht verraten.
Vom Ton bis Bild muss alles stimmen
Doch zurück zur Entwicklung der App: Beim Aufbau der definitiven Version war man froh, dank der Vorarbeit der FHGR-Studierenden diverse Grundlagen übernehmen zu können. «Die einzelnen Texte zu den verschiedenen Gotteshäusern erhielten dann noch durch die jeweiligen Kirchgemeinden einen Feinschliff», erklärt Schmed. Was auch nicht fehlen durfte, war ein passender Name: «Schlussendlich einigten wir uns auf ‹A-Cross Davos›. So besteht mit dem Cross, also dem Kreuz, ein christlicher Bezug, aber auch das Element der Bewegung widerspiegelt sich so.» Vonseiten der AKiD betreuten Schmed sowie Simone Bonvissuto von der katholischen Pfarrei das Projekt bis zum Schluss. Der FEG-Pfarrer legte teilweise auch selber noch Hand an: Die Miniatur-Ansichten der 15 Kirchen in der App-Übersicht gestaltete er selber. Dass die Gotteshäuser auch fotomässig gut in Szene gesetzt wurden, dafür sorgte Fotograf Johannes Frigg. Und was wäre eine interaktive App ohne Audioinhalte? Für den richtigen Ton sorgte der bekannte Bündner Musiker und Kabarettist Flurin Caviezel, der alle gesprochenen Inhalte vertonte. Zudem erhielt jede Kirchgemeinde die Möglichkeit, sich mit einem Video zu präsentieren. «So erhielten auch die beiden AKiD-Mitglieder Heilsarmee und Pfingstgemeinde die Möglichkeit, sich vorzustellen – denn eigene Kirchen besitzen sie ja nicht.»
Nachdem auch die grösste Herausforderung gemeistert werden konnte – nämlich das Zusammenführen der AR-Inhalte in die Grund-App – konnte das Gesamtprodukt vor einigen Wochen online gehen. Dass die App auch längerfristig Bestand haben wird, dafür sorgt ein Finanzierungsmodell, das den Support der App in den nächsten fünf Jahren garantiert. Fabian Heuberger, Student an der FH Brugg, wird die App weiterhin betreuen. In den kommenden Wochen ist zudem eine Lite-Version für An-droid geplant, die auch die älteren Handys unterstützen soll.
Es gibt etwas zu gewinnen
Nun ist man daran, die App bekannter zu machen. Unter anderem macht man mit einem Flyer auf das neue Produkt aufmerksam. Froh ist Schmed auch über die Zusammenarbeit mit der Davos Destinations-Organisation (DDO). «Sie beteiligten sich zwar nicht finanziell an der App, aber dafür mit personellen Ressourcen.» In erster Linie betreffe dies die DDO-Internetseite. «Nun sind dort alle Gotteshäuser sauber aufgelistet, und es wird auch auf die neue App aufmerksam gemacht.» Apropos DDO: «A-Cross-Davos» ist gleichzeitig auch eine Art Schnitzeljagd, denn bei jeder Kirche lässt sich ein Quiz lösen und so Punkte holen. «Wer 25 von 33 Punkten erreicht hat, kann sich bei der Gästeberatung zur Belohnung eine spezielle Stofftasche abholen», verrät der FEG-Pfarrer. Mitmachen lohnt sich also definitiv.
Zur App
Die neue App «aCross Davos» nimmt Gäste mit in die Welt der 15 Kirchbauten in Davos. «Gamification» und «Augmented-Reality»-Elemente sorgen dabei für ein interaktives Erlebnis. Die App befindet sich noch in der Beta-Testphase und ist kostenlos für das iPhone oder für Android-Smartphones erhältlich. Nach der Anmeldung in der App und Angaben zu Fortbewegungsmittel und Zeitressourcen macht die App Routenvorschläge, um sich in Davos mit seinen 15 sakralen Gebäuden zurechtzufinden. Jeder Kirche ist ein eigenes Thema in Form eines Hashtags zugewiesen. Auf den ersten Blick erstaunen die gewählten Begriffe wie #fashion, #catastrophe oder #recycling, da man sie nicht direkt mit Kirchen oder Religion in Verbindung bringt. Dabei machen gerade die teilweise frechen, modernen und ungewöhnlichen Kombinationen vor allem eines: neugierig. Und genau dies ist eine Stärke der App. Sie führt Besucherinnen und Besucher auf spielerische Art an geschichtliche, soziale oder kulturelle Themen heran. (ddk)