Naturidylle und Zuggeschichte
von Karin Hobi
Ein herbstlich kühler Wind bläst durch das von der Sonne gewärmte Dorf Alvaneu Bad, während die Kühe weiden und genüsslich das frische Gras kauen. Zwei Bikerinnen durchqueren das Dorf. Ein Wandergrüppchen ist unterwegs. Kräftige Berggipfel ragen hinauf in Richtung strahlend blauen Himmel. Die beiden Schranken des Gleisübergangs bewegen sich langsam nach oben, während ein Zug der Rhätischen Bahn den Bahnhof verlässt und sich auf seine weitere Reise macht.
Zurück bleibt ein kleines, schmuckes Bahnhofshäuschen. Ein stillgelegtes geschichtsträchtiges Gebäude inmitten der bezaubernden Kulturlandschaft des Naturparks Ela. An dem Ort, wo von 1903 bis Ende der 80er-Jahre die Stationsbeamten in Alvaneu die Fahrgäste empfingen und verabschiedeten sowie den Warenverkehr abfertigten.
Das Stationsgebäude befindet sich im Eigentum der Rhätischen Bahn und wird in Zusammenarbeit mit dem Verein «Welterbe RhB» über die Stiftung «Ferien im Baudenkmal» vermietet. Schweizweit übernimmt die Stiftung dem Verfall ausgesetzten und vom Abriss bedrohten Baudenkmäler, restauriert sie sanft und gibt ihnen als Ferienobjekte eine belebte Zukunft.
Johannes Florin ist der Verantwortliche für die Denkmalpflege der Rhätischen Bahn. Stolz steht er vor dem im Jahre 1901 erbauten Bahnhofsgebäude, das heute als Baudenkmal seinen Platz bewahren und nun in einer neuen Form zur Verfügung stehen darf. Denn in diesem Bahnhofhäuschen können nicht nur die vorbeifahrenden Züge direkt aus dem Fenster beobachtet und der Bahnbetrieb auf der Unesco Welterbestrecke der Rhätischen Bahn erlebt werden, sondern hier kann man auch übernachten. Fast wie in alten Zeiten, als einst der Stationsvorstand mit seiner Familie dort wohnte und den Fahrgästen Zugbillette verkaufte, für den Personen-, Gepäck- und Gütertransport verantwortlich war und sich um den Fahr- und Rangierdienst kümmerte.