Mit helfender Hand und offenem Ohr
Dennoch steht hinter den Einsätzen eine hoch-professionelle Organisation. Diese braucht es, um den unterschiedlichen Wünschen und Ansprüchen der Kundschaft, aber auch der Mitarbeiterinnen gerecht zu werden. «Wir fänden einen Mann in unserem Team lässig», sagt Loretz, auf die Diskrepanz angesprochen. «Doch im Moment haben wir nur Frauen im Einsatz.» Vielleicht liegt das an der speziellen Art der Aufgabe: «Die Arbeit ist adäquat entlöhnt, aber wir können sie nicht garantieren.» Demzufolge ist Flexibilität ebenfalls ein wichtiger Anspruch an potenzielle Mitarbeitende. «Sie dürfen nicht auf den Verdienst angewiesen sein.» Entsprechend liegt die Motivation der gegenwärtig rund einsatzwilligen 35 Frauen eher im sozialen Bereich. Es ist der Wunsch zu helfen, selber Kontakte zu pflegen und dabei noch ein Sackgeld zu verdienen. So sind es oft ehemalige Pflegende, die dabei nahe beim Beruf bleiben können, Wiedereinsteigerinnen oder auch Pensionierte, die sich, solange sie selber können, um andere kümmern wollen. «Da wir immer wieder Spitzen abdecken müssen, verspricht jeder zusätzliche Name auf der Liste, dass wir die Bedürfnisse unserer Kunden auch tatsächlich erfüllen können», wirbt Loretz um zusätzliche Team-Mitglieder.
Hilfe aber keine Pflege
Der 1998 gegründete, gemeinnützige Verein Davos Solidarisch will überall da einspringen, wo die üblichen Hilfsangebote nicht ausreichen. Die Mitarbeiterinnen kommen in schwierige familiäre, gesundheitliche und soziale Situationen. Sie unterstützen behinderte und betagte Personen, immer in Ergänzung mit zum Beispiel der Spitex. «Die Zusammenarbeit hier vor Ort ist hervorragend», berichtet Loretz. «Wir wenden uns an sie und sie sich an uns, wenn es die Situation erfordert.» Dabei geht es auch um eine klare Abgrenzung der Hilfestellung. «Alles, was die Pflege betrifft, können wir nicht leisten. Hingegen sind wir die richtige Stelle, wenn es darum geht, Menschen bei Besorgungen oder Terminen zu begleiten und ihnen im Alltag zur Seite zu stehen.» Das bedeutet auch, mal das Badezimmer zu putzen oder in der Stube aufzuräumen. «Wir sind aber kein Putz- oder Zügelinstitut», zieht Loretz eine klare Grenze. Der Schwatz am Kaffeetisch oder der Spaziergang am Arm der Betreuerin fallen jedoch in ihren Bereich. Daher achtet Davos Solidarisch sehr darauf, dass eine persönliche Bindung zwischen Betreuerin und Betreuten entsteht. Entsprechend wird die Hilfeleistung, wenn möglich immer von der gleichen Person geleistet. «Das ist uns wichtig, denn immerhin dringen unsere Betreuerinnen tief in die persönliche Lebenswelt ein.» Daher sei der soziale Gedanke ein sehr wichtiger. Wer diesen nicht in sich trage, steige bald wieder aus. Umgekehrt können sich aus dem Arbeitsverhältnis auch tiefe Freundschaften entwickeln. Solches ist keineswegs verboten, im Gegenteil: «Wenn sich jemand neu bei uns meldet, besuche ich die Person immer und versuche herauszufinden, wer aus unserem Betreuerinnen-Team hier am besten passt», berichtet Loretz.