Milizdienst steht vor neuen Herausforderungen
Einsätze im Rahmen der Coronakrise, beim Bergsturz in Bondo oder den Waldbränden in der Mesolcina haben in der breiten Bevölkerung die Mehrwerte der Feuerwehr und des Zivilschutzes immer wieder vor Augen geführt. Wie die Fachhochschule Graubünden (FHGR) mitteilt, ist «der Milizdienst in Feuerwehr und Zivilschutz ein wichtiges Element des Katastrophen- und Bevölkerungsschutzes in der Schweiz.» Um dieses wertvolle System für die Zukunft zu erhalten, sei die Gesellschaft auf die Miliztätigen angewiesen. Eine gute und verständnisvolle Zusammenarbeit mit ihren Arbeitgebern sei hierbei unerlässlich. Innerhalb der Milizorganisationen sollen auch genügend Kaderpersonen gewonnen werden. Die FHGR hat zusammen mit der Gebäudeversicherung Graubünden sowie dem kantonalen Amt für Militär- und Zivilschutz Graubünden eine Befragung durchgeführt.
Die Vereinbarung mit Familie und Freizeit ist sowohl für die Feuerwehr-, als auch die Zivilschutzangehörigen weitestgehend erfüllt.
Fachhochschule Graubünden,
Die vorliegende Studie zeigt auf, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Miliztätigkeit grundsätzlich gegeben ist. Die Zivilschutzangehörigen nehmen hierbei eine etwas höhere Herausforderung wahr, als die Feuerwehrangehörigen. Weiter zeigt die Untersuchung auf, dass «die Vereinbarung mit Familie und Freizeit sowohl für die Feuerwehr-, als auch die Zivilschutzangehörigen weitestgehend erfüllt» ist.
Zufriedenheit ist hoch, der Rückhalt der Arbeitswelt bröckelt
Zwei Drittel der Befragten der Feuerwehr erhalten Unterstützung von ihrem Arbeitgeber, rund ein Drittel bei den Zivilschützerinnen und Zivilschützer. Die grösste Unterstützung des Arbeitgebers erfolgt bei Teilzeitarbeit und flexiblen Arbeitszeiten, wie es heisst. Hier werden die administrativen Hürden tief gehalten und die Arbeitgebenden zeigen sich kulant – sowohl bei der Feuerwehr, als auch beim Zivilschutz. Die befragten Feuerwehrleute messen ihrem Engagement auch positiven Einfluss auf ihre Bewerbungschancen bei einem Jobwechsel ein. «Die Zivilschützer sehen dies neutraler», so die FHGR. Allerdings sei die Ermutigung durch den Arbeitgeber eher tief ausgeprägt.
Nur knapp 20 Prozent der Feuerwehrangehörigen und 10 Prozent der Zivilschutzangehörigen wurden von ihren Arbeitgebenden proaktiv zu ihrem jetzigen oder weiterführenden Engagement ermuntert.»
Fachhochschule Graubünden,
Die Studie fasst schlussendlich zusammen: «Nur knapp 20 Prozent der Feuerwehrangehörigen und 10 Prozent der Zivilschutzangehörigen wurden von ihren Arbeitgebenden proaktiv zu ihrem jetzigen oder weiterführenden Engagement ermuntert.»
Der Milizdienst braucht mehr Kaderleute – und Frauen
Die Feuerwehren sind mit einem aktuellen Bestand von etwa 4000 Angehörigen gut aufgestellt, wie die FHGR schreibt. Die Kadergewinnung hingegen sei eine Herausforderung. Beim Zivilschutz mit 2300 Angehörigen drohen laut der Mitteilung der FHGR «empfindliche Fehlbestände». Aus diesem Grund sei die Kadergewinnung beim Zivilschutz von besonderer Bedeutung. Die Analyse zeigt auch, dass im Zivilschutzkader verhältnismässig viele Leute auch in der beruflichen Tätigkeit eine Führungsfunktion ausüben. Um das Engagement und damit die Bereitschaft zum Kaderdienst zu steigern, wurden von den Befragten einige Massnahmen besonders befürwortet. So stossen «Anrechnungsgutscheine» in Form von geleisteten Diensten (beispielsweise für ECTS-Punkte während eines Studiums) auf hohes Interesse. Die Angehörigen des Zivilschutzes stehen auch dem stärkeren Einbezug von Frauen und auch von Ausländerinnen und Ausländer positiv gegenüber.
(nen)