Mehr «Hallo» als «Bun di»
«Allegra», «Buongiorno» oder doch «Grüazi»? Kein Kanton in der Schweiz ist so geprägt von den Landessprachen wie Graubünden. Gleichzeitig ist er der einzige Kanton, in dem Rätoromanisch eine offizielle Amtssprache ist. Wegen dieser Vielfalt wird Graubünden oftmals auch als kleine Schweiz innerhalb der Schweiz bezeichnet. Im Kanton wird Deutsch, Rätoromanisch und Italienisch gesprochen. Folgende Grafik veranschaulicht die Sprachgebiete in Graubünden, mit Fokus auf Rätoromanisch mit den verschiedenen Idiomen:
Die unterschiedlichen fünf Idiome (Dialekte) innerhalb der rätoromanischen Sprache sorgen für eine Sprachvielfalt unter den Regionen. Denn Rätoromanisch ist nicht gleich Rätoromanisch. Als Amtssprache wird aber stets Rumantsch Grischun verwendet, welches eine gemeinsame, einheitliche Schriftsprache der Rätoromanen darstellt.
Spürbarer Wandel
Die Verteilung der Landessprachen hat sich in den letzten 50 Jahren schweizweit verändert. Die Anteile des Deutschen, Italienischen und Rätoromanischen als Hauptsprachen sind zurückgegangen, während jene des Französischen und anderer, fremder Sprachen angestiegen sind. Dies ist auf der Grafik des Bundesamts für Statistik (BFS) ersichtlich:
Der Anteil der Personen, die eine Nichtlandessprache als Hauptsprachen angeben, hat laut BFS stark zugenommen. Dies sei hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass seit 2010 mehrere Hauptsprachen angegeben werden können (sogenannte Strukturerhebung). Von 1970 bis 2000 liegen die Zahlen einer Volkszählung vor.
Die beiden am häufigsten genannten Nichtlandessprachen sind Englisch und Portugiesisch. In den vier Sprachregionen der Schweiz ist Schweizerdeutsch mit 62,3 Prozent die meistverbreitete Hauptsprache. Doch gerade einmal 0,5 Prozent sind Rätoromanen. 35’311 Erwachsene gaben Romanisch als Hauptsprache an. 23,1 Prozent der Bevölkerung haben eine Nichtlandessprache als Hauptsprache. Hier ist prozentual zu sehen, wie viel und wo Deutsch als Landessprache gesprochen wird:
Mehr Kroatisch statt Romanisch
Die häufigste gesprochene Sprache im Beruf ist mit 62,6 Prozent Schweizerdeutsch, wie das BFS auf der Webseite zeigt. 33,6 Prozent sprechen Hochdeutsch, 27,7 Prozent Französisch und über ein Fünftel, 20,5 Prozent, sprechen Englisch. Nach Französisch mit 8 Prozent kommen bereits Portugiesisch mit 2 Prozent und Spanisch mit 1,7 Prozent. Rätoromanisch wird auf der Arbeit nur zu 0,3 Prozent gesprochen. Diese Zahl liegt hinter Albanisch (0,8 Prozent) und Serbisch sowie Kroatisch (beide 0,7 Prozent). «Englisch ist die Sprache, die Erwerbstätige am liebsten für ihre Arbeit lernen oder verbessern würden», schreibt das BFS. Neben Spanisch, Chinesisch und Russisch werden auch Schweizerdeutsch-Kenntnisse oftmals als berufsrelevant betrachtet.
Englisch ist die Sprache, die Erwerbstätige am liebsten für ihre Arbeit lernen oder verbessern würden.»
Bundesamt für Statistik,
Über die Landesgrenzen hinaus
Kehren wir wieder in unseren Kanton zurück: Graubünden ist mit seiner Sprachenvielfalt bis über die Kantonsgrenzen hinaus bekannt. Laut dem Newsportal «rtr.ch» leben rund 11’555 Menschen mit der rätoromanischen Hauptsprache ausserhalb des Kantons Graubünden. In dem Sinne: «A revair»!