Lernen durch Spiel und Spass
Auf 70 Quadratmetern findet der Kinder-Verkehrsgarten statt. Bunt geschmückt und kaum zu übersehen, zieht er die Kinder förmlich an. So steuert auch die kleine Giulia, die mit ihren Eltern am vergangenen Donnerstag zum Einkaufen ins City West gekommen ist, direkt auf den Parcours zu. «Ich will mit dem Traktor fahren, Mama!», ruft Giulia ihrer Mutter zu. Kaum hat sie sich auf den Traktor gesetzt, geht es mit Eigenantrieb los. Zuerst gilt es einen Fussgängerstreifen zu überwinden. Rechts und links wird schon nichts kommen, muss sich Giulia gedacht haben, denn mit vollem Tempo rast sie auf den Fussgängerstreifen zu. Als Nächstes kommt ein Kreisel, doch auch dieser wird kaum beachtet. Bei der scharfen Rechtskurve hingegen wird das Tempo gedrosselt. Es folgt eine Gerade mit einer Ampel und einem weiteren Fussgängerstreifen. «Giulia», ruft der Vater, um die Aufmerksamkeit seiner Tochter zu erhalten und fragt sie: «Was macht man an einem Fussgängerstreifen?» «Anhalten?», fragt Giulia und stoppt gerade noch rechtzeitig vor dem Fussgängerstreifen, bevor sie absteigt und sich für ein neues Fahrzeug entscheidet.
«Wir haben die Fussgängerstreifen absichtlich so platziert, dass die restlichen Besucher diese überqueren können», erklärt Brigitte Leitinger, die an diesem Morgen gemeinsam mit Cordula Gaisser die Kleinkinder im Verkehrsgarten betreut. Garten kann man diesen Parcours sehr wohl nennen, denn bunte Bäume, verschiedenste Tafeln, Häuser und Zäune schmücken die Strassenränder. Puppen, die am Strassenrand stehen, imitieren Fussgänger. «Die Kinder sehen den Parcours und bleiben dann stehen. Wir fragen sie dann, ob sie den Parcours abfahren möchten», sagt Cordula Gaisser. Die Betreuungspersonen sind für die Aufsicht und die Sicherheit zuständig, nicht aber für die Kinderbetreuung. «Die Eltern müssen, während ihre Kinder den Parcours benützen, dabei sein», sagt Gaisser.
Früh übt sich
«Ich finde es toll, dass die Kinder hier Spass haben und gleichzeitig die Verkehrsregeln lernen können», sagt eine Mutter, deren Kind gerade den Ferrari fährt. Auch Giulias Vater findet die Aktion toll und fügt hinzu: «Wenn die Kinder einmal lernen Velo zu fahren, kennen sie bereits einige Regeln.»
Die Idee, den Verkehrsgarten im City West durchzuführen, stammt von der Domenig Immobilien AG. Bereits letztes Jahr gab es einen Bike-Parcours im City West, der den Schwerpunkt auf Geschicklichkeit legte. «Da der Parcours bei Gross und Klein grossen Anklang fand, haben wir uns für dieses Jahr eine neue Attraktion überlegt, bei welcher vor allem Kinder selbst aktiv mitmachen können», sagt die Verantwortliche Sonja Stutzer. So seien sie auf den Kinderverkehrsgarten gestossen. Dabei ginge es sowohl um Spass, als auch darum, etwas Sinnvolles zu lernen.
Giulia hat nach unzähligen Runden, die letzte in Angriff genommen. Wie gelernt, hält sie noch einmal beim Fussgängerstreifen an, bevor sie absteigt und ihr Fahrzeug ordnungsgemäss versorgt.
Mittlerweile können die Kinder sich nicht mehr im Verkehrsgarten im City West in Chur austoben. Er wurde aufgrund der Massnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus eingestellt.