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Leben & Freizeit

Lachyoga und Lebensfreude: Wie eine Emserin mit Lachen Wohlbefinden und Leichtigkeit schenkt

Bündner Woche
20.11.2024, 04:30 Uhr
11.05.2026, 12:16 Uhr

von Cindy Ziegler

Für die Protagonistin dieser Geschichte ist das Lachen für Fotos keine Überwindung. Es macht sie nicht verlegen – im Gegenteil. Jolanda Guntern lacht aus tiefstem Herzen. Nicht nur sichtbar, sondern ebenso gut hörbar. Wunderbar – auch für die Fotografin. Denn das Lachen der Emserin ist ansteckend. Lachen ist für sie weit mehr, als nur die Mundwinkel hochzuziehen. Es sind viele kleine Entscheidungen und eine grosse, wie sie das Leben nimmt. Seit einigen Jahren ist Jolanda Guntern Lachcoachin. 

Wohlfühlhormone anstatt Stresshormone

Schon beim Eingang zum Garten begrüsst ein lachendes Smiley, und auch die beiden Figürchen, die auf dem Briefkasten stehen, haben ein Lächeln auf ihren kleinen Gesichtern. Im Haus sind helle, freundliche Farben dominant, Jolanda Guntern passt perfekt in ihre Wohnküche. Sie sitzt an dem grossen, hölzernen Tisch und erzählt. Dann lacht sie wieder. Und erzählt. Und lacht ... Sie habe schon als Kind immer viel und gerne gelacht. Wenn sie heute, als erwachsene Frau und Mutter, an ihre eigenen Eltern denkt, erinnert sie sich an sie, wie sie sich kugeln vor Lachen. «Dass ich vor ein paar Jahren also Lachcoachin geworden bin, war irgendwie logisch», meint Jolanda Guntern. Zu ihrer psychologischen Vorbildung und dem Fokus auf Stressbewältigung ist das Lachyoga, das sie in ihren Coachings anbietet, eine ideale Ergänzung.

Lachen bringt vieles in Ordnung

Wenn man lacht, dann passiert viel im Körper. Spannend dabei ist, dass es nicht darauf ankommt, wie das Lachen ausgelöst wird. Spontan oder bewusst eingeleitet, wie Jolanda Guntern erklärt. So oder so senkt es den Pegel an Stresshormonen und schüttet im Gegenzug dazu sogenannte «Wohlfühlhormone» aus. Durch die vertiefte Atmung wird mehr Sauerstoff aufgenommen, was beispielsweise einen positiven Einfluss auf unsere Konzentration hat. Ausserdem stärkt es das Immunsystem, wenn man viel lacht. «Lachen massiert unsere inneren Organe, das ist besonders für Menschen wichtig, die in ihrem Alltag viel sitzen», so «Lady Smile», wie sich Jolanda Guntern auf ihrer Webseite nennt. 

Sie sei keine Dauerlacherin, erklärt die Emserin. Das zu betonen, ist ihr wichtig. Denn auch in ihrem Leben gebe es Momente, in denen ihr nicht zum Lachen zumute ist. Mehr gehe es ihr in den Lachyoga-Sessions darum, sich für das Lachen zu entscheiden. «Lachen ist eine Entscheidung. Wir lachen nicht, weil alles in Ordnung ist. Wir lachen, weil Lachen vieles in Ordnung bringt», betont sie. Wenn wir lachen, dann können wir nicht an Negatives denken. Auch das bestätigt die Gelotologie, die Wissenschaft des Lachens. Verschiedene Studien bestätigen die Wirksamkeit von Lachen und Lachyoga.

Auf dem Tisch steht, neben einer Vase mit grossen, rosa Blumen, ein kleiner Engel. Verschmitzt hält er sich die Hände vor den lächelnden Mund. Er strahlt eine kindliche Unschuld aus. Jolanda Guntern betrachtet ihn kurz. Als Kinder würden wir alle viel und oft lachen. Und dann? «Dann kommt das Leben dazwischen. Wir werden kontrollierter, perfektionistischer, angepasster. Und verlieren oft nicht nur unser Lachen, sondern auch unsere Leichtigkeit. Leider», meint Jolanda Guntern. Allgemein würden wir zu wenig lachen, vor allem über uns selbst. «Die gute Nachricht ist aber, dass wir unser Lachen zurückholen können.»

Über sich selbst, nicht über andere

Es gebe nicht viele Momente, wo Lachen unpassend sei, meint die Emserin. Lachen wir aus Unsicherheit, hat das auch seinen Zweck. Lachen wir in einer angespannten Situation, dann löst sich dadurch eine Anspannung. Trotzdem findet es Jolanda Guntern wichtig, auch negativen Gefühlen wie zum Beispiel Trauer Raum zu geben. «Und ich finde es falsch, wenn man über unpassende Witze oder blöde Sprüche lacht, die anderen wehtun. Oft lachen wir aus falscher Höflichkeit mit. Allgemein finde ich, man sollte nicht hinter dem Rücken von anderen über sie lachen.» Im Gegenteil: Laut der Lachcoachin müssen wir alle lernen, mehr über uns selbst zu lachen. 

Das wecken, was in uns schläft

Sie sei keine Humortrainerin, so Jolanda Guntern. Denn diese gebe es auch und hätten am Schluss ein ähnliches Ziel. Nämlich, dass die Leute durch Lachen lösungsorientierter und kreativer durchs Leben gehen können. «Beim Lachyoga braucht es aber keinen Humor. Gemeinsam wecken wir das Lachen, das in uns allen schläft.» Sie selbst lache oft über Alltagskomik oder über sich selbst, wenn sie wieder einmal in alte Muster zurückfalle. «Das hat für mich viel mit Selbstliebe zu tun. In jedem Spiegel, an dem ich vorbeikomme, schenke ich mir ein liebevolles Lächeln.» Ausserdem würden sie auch Komiker wie Hape Kerkeling zum Lachen bringen. 

Zurück zum Anfang dieses Textes und zum Ende des Besuchs bei Jolanda Guntern. Sie lacht. Der Mund ist offen, die Zähne sichtbar. Die Emserin wirft den Kopf in den Nacken und hält sich die Hand vor die Brust, danach auf den Bauch. Ihre Augen glänzen und ihr Lachen nimmt sich Platz im Raum. Wenn man sie anschaut, dann heben sich die eigenen Mundwinkel automatisch. Lachen ist ansteckend. «Für mich ist es wie ein sozialer Klebstoff. Wenn wir einander in die Augen schauen, dann können wir gar nicht anders, als mitzulachen. Es gibt für mich kein grösseres Kompliment, wie wenn jemand mir sagt, dass durch mein Lachen auch die Welt meines Gegenübers wieder ein bisschen mehr in Ordnung ist», meint Jolanda Guntern. Wie recht sie hat ...

www.ladysmile.ch 

Verblüffende Fakten zum Thema Lachen

Lachen hat positiven Einfluss auf uns Menschen. Weitere interessante Fakten gibt es hier: 

- Wenn wir richtig und aus vollem Herzen lachen, dann werden dafür über 100 Muskeln angespannt. 

- Dabei wird die Luft mit einer Geschwindigkeit von rund 100 Kilometern pro Stunde aus der Lunge gepresst.

- Kinder lachen bis zu 400-mal pro Tag, während es Erwachsene durchschnittlich nur noch etwa 15-mal täglich machen. 

- Am häufigsten lachen wir, wenn wir mit Menschen sprechen, die uns nahestehen. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir dann über etwas lachen, ist 30-mal höher, als wenn wir allein sind.

- Lachen ist ein für den Menschen typisches Verhalten, aber nicht nur: Auch Primaten, besonders die Schimpansen, lachen. Wenn junge Affen gekitzelt werden, dann lachen sie wie Kleinkinder. Auch Ratten lachen, wenn sie miteinander spielen oder gekitzelt werde