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Lausbuben sind keine Dreckspatzen

Auch heute noch sind Laustanten im Schulalltag unersetzlich – nur dank ihnen geht es den kleinen Tierchen an den Kragen.

Bündner Woche
22.08.24 - 11:00 Uhr
Leben & Freizeit
Bei Lauskontrollen werden die Haare der Kinder auf Läuse oder Nissen untersucht.
Bei Lauskontrollen werden die Haare der Kinder auf Läuse oder Nissen untersucht.
Archivbild

von Andri Dürst

Wenn Sie sich beim Lesen dieses Artikels am Kopf kratzen, dann hoffentlich nicht wegen Läusen. Doch die kleinen Krabbler machen es sich auch im Jahr 2024 noch gerne bequem auf der Kopfhaut des Menschen. Betroffen sind meistens Kinder. Kein Wunder also, kommt den Schulen eine wichtige Funktion bei der Bekämpfung von Läusen zu.

In den Bündner Gemeinden wird die Lauskontrolle unterschiedlich gehandhabt. Während an einigen Orten Lausfachpersonen nur bei Bedarf aufgeboten werden, müssen Schülerinnen und Schüler in anderen Kommunen fix einmal pro Jahr zur Untersuchung antreten. So auch in den Primarschulhäusern Igis, Landquart und Mastrils, wo nach den Sommerferien eine flächendeckende Kontrolle durchgeführt wird. Eine der dort eingesetzten Laustanten ist Ursina Kasper. Laustante? Darf man das überhaupt noch sagen? «Selbstverständlich», meint die aufgestellte Coiffeuse im Gespräch. Sie ergänzt, dass sie nicht nur nach den Sommerferien aufgeboten werde, sondern bei Bedarf auch unter dem Jahr in betroffene Schulklassen komme, um die Köpfe der Schützlinge auf Läuse oder Nissen – also Eier – zu untersuchen.

Die kleinen Krabbler können sich oft unbemerkt auf Köpfen festsetzen.
Die kleinen Krabbler können sich oft unbemerkt auf Köpfen festsetzen.
zvg

Essig und Mayonnaise haben nichts auf dem Kopf verloren

Doch wieso sind meist nur Kinder von diesem Parasitenbefall betroffen? «Die Läuse gehen von Kopf zu Kopf. Da Kinder ihre Häupter viel öfters zusammenstecken als Erwachsene, können sich die Parasiten einfacher ausbreiten», antwortet Ursina Kasper. Doch Kinder könnten die Krabbler auch an ihre Eltern übertragen. «Und diese merken es oft sehr spät.» Um eine klassische Behandlung kommt man dann nicht drum herum. Die Laustante betont, dass man dafür wirklich nur Spezialmittel aus der Drogerie oder Apotheke verwendet. Von «selbst gebrauten» Mittelchen – es scheint auch schon vorgekommen zu sein, dass Essig oder gar Mayonnaise zum Einsatz kam – rät sie dringend ab.

Die Inhaberin des Coiffeursalons «Happy Hair» möchte auch mit einem weiteren Irrglauben aufräumen: Nämlich, dass Läuse mit mangelnder Hygiene zu tun haben. Auch die Wissenschaft widerlegt diese Annahme. Denn normale Shampoos können die Läuse und die Nissen nicht bekämpfen. Sprich: Auch wer jeden Tag duscht oder badet, kann die Parasiten bekommen.

Doch zurück zu den schönen Momenten. Ursina Kasper ist gerne Laustante. «Die Arbeit mit den Kindern bietet eine Abwechslung zum Berufsalltag, auch wenn wir oft in der Freizeit im Einsatz stehen.» Sonst sei sie zu lange vom Geschäft abwesend. Die Lauskontrolle sei aus ihrer Sicht aber eine sehr wichtige Aufgabe. «Denn wenn solche Epidemien mal da sind, kriegt man sie nur schwierig weg.» Deshalb ist für sie klar: «Das machen wir gerne.»

Grössenvergleich: Ein 50-Rappen-Stück liegt neben drei Läusen.
Grössenvergleich: Ein 50-Rappen-Stück liegt neben drei Läusen.
zvg

Fakten zum Lausbefall
Im Laus–Konzept der Schule Landquart sind die wichtigsten Fakten wie folgt zusammengefasst: «Kopfläuse (2 bis 3 Millimeter lang) sind Hautparasiten des Menschen und ernähren sich ausschliesslich von seinem Blut. Ob sauber oder nicht, den kleinen Insekten ist jeder behaarte Kopf willkommen. Ohne menschliches Blut, also ausserhalb des menschlichen Kopfhaares, sterben sie nach spätestens zwei Tagen ab. Kopfläuse haben sechs Beine mit starken Klauen, mit denen sie die Haare umfassen können. Sie sind gute Kletterer, springen oder fliegen können sie aber nicht. Kopfläuse werden etwa 30 Tage alt und verbringen ihr ganzes Leben auf dem Kopf eines Menschen. Durch Haustiere oder Wasser (zum Beispiel Schwimmbad) können Läuse nicht übertragen werden. Aus einem Lausei (genannt ‹Nisse›) schlüpft nach sieben bis zehn Tagen eine junge Laus, die nach sieben bis zehn weiteren Tagen geschlechtsreif ist. Geschlechtsreife Weibchen legen täglich etwa zehn Nissen, also rund 100 im ganzen Leben. Die Lauseier sind oval und werden vom Weibchen gewinkelt an die Seite eines Haares geklebt. Man kann Nissen alleine also nicht ‹auflesen›. Nissen können noch monatelang im Haar verbleiben, auch nach einer erfolgreichen Behandlung. Die Entfernung der Nissen und eine zweite Behandlung nach zehn Tagen gehört deshalb in jedem Fall zu einer Behandlung.»
Das Hauptsymptom sei Juckreiz, der wegen der Speicheldrüsensekrete, die die Läuse beim Blutsaugen in die Wunde einbringen, entstehe. Läuse und Eier seien meistens im Nacken und hinter den Ohren gehäuft anzutreffen. Da eine Person selten mehr als zehn geschlechtsreife Tiere aufweise, beruhe die Diagnose deshalb vorwiegend auf dem Nachweis der Eier, die am Haarschaft, meist weniger als fünf Millimeter von der Haut entfernt, anzutreffen sind.

Weitere Informationen unter www.lausinfo.ch

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