Investieren jetzt, um später zu sparen
Vor vier Jahren wurde in Davos das Konzept der sprachlichen Frühförderung eingeführt. Damit sollte Kindern aus fremdsprachigen Familien ermöglicht werden, in Krippen und Spielgruppen so viel Deutschkompetenz zu erwerben, sodass sie beim Eintritt in den Kindergarten dem Unterricht würden folgen können. Dazu sollten die Eltern einen Beitrag an die Kosten der externen Betreuung erhalten. Ein erfolgreicher Ansatz, wie eine Rückmeldung von Logopädin Heidrun Knoll an die Schulleitung zeigt: «In den letzten beiden Reihenerfassungen hatte ich praktisch keine Kinder mehr, die gar kein Deutsch verstehen. Das hilft den Kindern sehr beim Start im Kindergarten. […] Durch den Kitabesuch erwerben die Kinder einen kleinen Alltagswortschatz, der ihnen hilft, sich im Kindergarten zu orientieren. Von fachlicher Seite kann ich dieses Projekt total unter-stützen.»
Allerdings sei den Familien nie der gesamte Aufwand bezahlt worden, präzisiert Walter von Ballmoos, Vorsteher des Departements Bildung und Soziales. Einen gemäss ihrer Steuerkraft berechneten Restbetrag hätten sie immer selber übernehmen müssen. Das führte dazu, dass finanzschwache Familien lieber auf die externe Betreuung verzichteten. «Als wir 2021 den Bedarf erstmals abklärten, besuchten anschliessend 16 Kinder mit Gemeindeunterstützung Krippen und Spielgruppen. Nach der letzten Erhebung waren es nur noch deren 7.» Es habe sich herumgesprochen, dass die Kosten trotz Beitrag noch immer zu hoch seien.
Keine Ungleichbehandlung
So gelangt der Kleine Landrat nun an das Parlament mit einem Antrag, dass zukünftig die gesamten Kosten von der Gemeinde übernommen werden sollen. Denn die bisherige Regelung beinhaltete auch die Möglichkeit, Eltern zu verpflichten, ihr Kind in eine Einrichtung zu schicken. Zwar wurde das in Davos nie angewandt, doch würde durch ein solches Obligatorium gemäss einem Urteil des Bundesgerichts die Frühförderung rechtlich dem Grundschulunterricht gleichgestellt. «Das führt zur der sehr unbefriedigenden Situation, dass Eltern, die ihr Kind freiwillig senden, Beiträge bezahlen müssen, während die anderen davon befreit sind», nennt von Ballmoos einen Grund für den jetzigen Antrag. «Ausserdem müsste die Gemeinde auch den Transport zur Kinderkrippe oder Spielgruppe organisieren und durchführen.»
Weniger Kosten als ursprünglich erwartet
Mit der nun vorgeschlagenen Lösung sollen alle Kinder, bei denen sprachliche Defizite festgestellt werden, während zwei Jahren vor dem Eintritt in den Kindergarten Krippen und Spielgruppen besuchen können. Die Kosten dafür übernimmt die Gemeinde. «Um den Bedarf festzustellen, verwenden wir ein Formular, das von der Uni Basel speziell zu diesem Zweck geschaffen wurde», erklärt von Ballmoos. «Noch fehlt uns die Erfahrung, doch wir gehen von 10 Kindern pro Jahrgang und maximalen Kosten von 52 000 Franken pro Jahr aus.» Dazu kommen Kosten für das Werkzeug der Uni Basel, Aus- und Weiterbildungskosten sowie Lohnkosten für die Projektleitung. Total macht das einen Betrag von 70 000 Franken pro Jahr für «Deutsch für die Schule», wie das Projekt nun heissen soll. Damit liegt man deutlich unter jenen 118 000 Franken jährlich, die 2020 für die sprachliche Frühförderung gesprochen wurden. «Dieses Budget wurde bei Weitem nicht ausgeschöpft», erklärt von Ballmoos. «Damals hatte man noch weniger konkrete Zahlen als heute.» Verringert werden könnte der Aufwand der Gemeinde zusätzlich durch Beiträge des Amtes für Migration, wenn es sich um Kinder von Flüchtlingsfamilien handelt. «Das Amt bezahlt allerdings nur, wenn wir das Angebot kostenlos machen.»
Kosten jetzt, Einsparungen später
Langfristig soll mit dem Projekt sogar Geld gespart werden können, argumentiert der KL in seinem Antrag: «Nachdem das Projekt inzwischen seit vier Jahren in Davos umgesetzt wird, kann festgestellt werden, dass die Integration fremdsprachiger Kinder in den Kindergarten und anschliessend in die Primarschule sowohl für die Kinder, die Klasse wie auch für die Lehrpersonen deutlich leichter fällt.» Klassen würden nicht aufgehalten, weil einzelne Kinder die Lehrpersonen schlicht nicht verstehen würden und es seien weniger schulische Fördermassnahmen notwendig, übersetzt von Ballmoos das in Normalsprache.