Kantonale Verwaltung: «Unsere Ideen entwickeln wir ‹out of the box›»
von Riccarda Hartmann
Das Ziel dieses Pilotprojekts sei es, den jungen Mitarbeitenden die Möglichkeit zu geben, die kantonale Verwaltung von morgen mitzugestalten und durch innovative Ideen ihre Attraktivität als Arbeitgeberin zu steigern, heisst es auf der Webseite des Kantons Graubünden. Im Interview spricht Projektmitglied Gino Clavuot über die Zukunft und die Mitgestaltung derer:
Herr Clavuot, wie sollen junge Leute mit dem «Innovationboard» die Zukunft mitgestalten?
Gino Clavuot: Junge Mitarbeitende sollen die Arbeitskultur und Arbeitsumwelt von morgen mitgestalten und eine wichtige Stimme erhalten. Auch durch die Verbesserung des Images der kantonalen Verwaltung als Arbeitgeberin soll das geschehen. Denn sie ist eine attraktive Arbeitgeberin mit interessanten Berufsbildern, Sinnhaftigkeit, Jobsicherheit und Flexibilität. Es wird analysiert, wo das Potenzial in der kantonalen Verwaltung vorhanden ist und anschliessend werden Handlungsschwerpunkte ausgearbeitet.
Wo liegen diese Schwerpunkte?
Beim Start des Pilotprojekts und aufgrund erster Analysen wurden Inhalte zu den Themen Arbeitskultur, Diversität und Nachhaltigkeit vorbereitet. Das waren unsere Ideen und die Punkte, bei denen wir ansetzen wollen. Um herauszufinden, ob diese die richtigen sind, wollen wir eine interne Umfrage bei allen Mitarbeitenden der kantonalen Verwaltung starten. Daraus ergeben sich allenfalls neue Handlungsschwerpunkte. In diesem Zusammenhang ist auch wichtig, dass wir mit der Umfrage alle Mitarbeitenden abholen und ihnen auch eine Stimme geben. Das hilft der Tragfähigkeit des ganzen Projekts. Wir erachten eine solche Umfrage als extrem wichtig für die Legitimität und die weitere Arbeit an den Themen.
Sind weitere Möglichkeiten angedacht, wie sich Mitarbeitende einbringen können?
Es ist beabsichtigt, für Mitarbeitende mit Ideen einen «Innovationsbriefkasten» einzurichten. Online erreicht man ein Kontaktformular, in das man seine Idee schreiben kann. Beim «Innovationboard» überlegen wir, ob diese Potenzial hat und ob sie umsetzbar ist. Wenn ja, würden wir die Idee pitchen. Mit ihr zum «Seniorboard» – dem Vorsteher und Generalsekretär des Departements für Finanzen und Gemeinden und den Amtsleitenden der Querschnittsämter – gehen, das uns unterstützt, solche Ideen weiterzuentwickeln. Ziel ist es, dabei auch die ideengebenden Personen miteinzubeziehen.
Wie sehen mögliche Umsetzungsvorschläge aus?
Vor allem geht es darum, die Arbeitskultur auf künftige Änderungen vorzubereiten. Das heisst flexible Arbeitsmodelle, beispielsweise bezüglich Arbeitszeiten. Auch wollen wir attraktiver bezüglich des Arbeitsortes werden. Homeoffice ist ein Bedürfnis, um so das Private und die Arbeit besser in Einklang zu bringen. Es hat viel mit der Flexibilisierung des Arbeitsortes zu tun. Themen in Sachen Gleichstellung sind beispielsweise Jobsharingmodelle, bei denen die Arbeit aufgeteilt werden kann, oder Teilzeitstellen über alle Kaderstufen. Und dann möchten wir auch am Austausch innerhalb der kantonalen Verwaltung arbeiten, dass man vernetzter miteinander arbeitet. Uns kann man auch für unterschiedliche Projekte einsetzen, die wir mit der Brille «Jugend» oder «Generation von morgen» betrachten. Auch Nachhaltigkeit ist ein allgegenwärtiges Thema. Das «Innovationboard» soll eine Anlaufstelle für innovative Ideen aus der Bevölkerung und von den Mitarbeitenden der kantonalen Verwaltung sein.
Ein Beispiel?
«Walk the talk», ein Spaziergang mit Inputreferanten zu bestimmten Themen. Zum Beispiel Ressourcenschonung. Mit einem informellen Austausch für sämtliche Mitarbeitende der kantonalen Verwaltung. Die Leute können dabei sein und ihre Stimme einbringen, unabhängig von Hierarchien.
Im September vergangenen Jahres startete das Projekt. Wie ist die Resonanz bisher?
Die Resonanz zu Beginn war schön. Leute, die sagen, dass sie gerne dabei seien, wenn wir das Projekt öffnen, sobald die Pilotphase abgeschlossen ist. Es gibt auch bereits Anfragen. Und das zeigt, dass das Bedürfnis nach einer informellen Fachstelle da ist. So wie wir es als «Innovationboard» sind. Wo die Hemmschwelle tief ist, Ideen einzubringen.
Sie sind sieben Mitarbeitende, die bis jetzt am Pilotprojekt arbeiten.
Genau, sieben aus den drei Querschnittämter Amt für Informatik, Hochbauamt und Personalamt.
Inwiefern arbeitet Sie anders als bei anderen Projekten?
Wir haben schnell herausgefunden, dass wir jemanden brauchen, der die Koordination übernimmt, aber wir wollten keine klassische Leitung. Wir möchten möglichst auf Augenhöhe miteinander reden. Also haben wir uns für eine hierarchiefreie Organisation entschieden. Jede Stimme innerhalb des «Boards» ist gleichwertig. Wir haben den Vorteil, dass wir sieben sind und es bei Abstimmungen immer gut aufgeht. Wir arbeiten digital und treffen uns alle zwei Wochen, abwechselnd virtuell – für kurze Updates – und physisch – für ausführlichere Workshops. Regelmässig tauschen wir uns mit dem «Seniorboard» aus. Unsere Ideen entwickeln wir «out of the box», daher ist es wichtig, dass wir ein «Seniorboard» haben, das jahrelange Erfahrung hat und uns unterstützt und aufzeigt, was realisierbar ist. Und wenn es realisierbar ist, können sie uns dabei unterstützen, das Projekt aufzugleisen oder sie helfen uns bei der Verlinkung mit ähnlichen Projekten, die im Kanton bereits gestartet haben.
Wie wird es mit dem «Innovationboard» weitergehen?
Wenn die Pilotphase abgeschlossen ist, kommt die grosse Auswertungsphase, während der wir die Anfangsziele und die Ziele nach einem Jahr einander gegenüberstellen. Wir überlegen uns, ob wir auf dem richtigen Weg sind oder ob gewisse Korrekturen nötig sind. Dann öffnen wir und es kommen immer mehr Ideen und Mitwirkende zusammen. Und so soll gemeinsam eine coole Zukunft für die kantonale Verwaltung erarbeitet werden.