Zu Besuch bei den Heuarbeiten in Obermutten
Von Riccarda Hartmann
Der Duft von geschnittenem Gras hängt noch in der Luft. Die Sonne kommt gerade hinter den Wolken hervor. Ihre Strahlen scheinen auf den südlichen Hang von Obermutten, wo Wiesen und Wälder sich abwechseln und nebeneinander existieren. Auch wegen den Menschen. Mit dem Rücken zum Beverin auf der anderen Seite des Tales beginnen die Teilnehmenden der Arbeitswoche von Pro Natura mit dem Heuen. Von oben nach unten wird das gestern erst geschnittene Gras zusammengerecht, mit langen Rechen mit hölzernen Stielen. Weiter unten dringt das Geräusch des Mähermotors hinauf, mit dem Jakob Moser, Bauer und Pächter des Gebietes, eine weitere Fläche mäht. Sein ältester Sohn hilft ihm dabei.
Für eine Vielfalt an Pflanzen und Insekten
Zehn Teilnehmende aus allen Teilen der Schweiz sind an dieser Arbeitswoche Mitte August dabei, um an diesem Hang in Graubünden, einem kleinen Flecken Erde, zu arbeiten. So auch Marcel Liner von Pro Natura, der diese Woche betreut. Er erzählt auch gleich: «Es ist eigentlich ein Pflegeeinsatz». Die Wiese, auf der wir stehen, würde nicht mehr sein und Wald wäre an ihrer Stelle, wenn nicht jedes Jahr die Wiese gemäht und die kleinen Waldflächen entholzt würden. «Jetzt ist da eine wunderbare Landschaft mit Bäumen und Wiesen. Darin sind Blumen. Und mit den Blumen kommt die Insektenvielfalt», sagt er. Er erzählt weiter, dass die Gruppe am Tag zuvor womöglich eine rotflügelige Ödlandschrecke, eine seltene Heuschreckenart, gesehen hätten. «Und wenn hier Wald wäre, hätte man die ganze Vielfalt an Pflanzen und Insekten nicht», erklärt er. Auch für Rehe und Hirsche gibt es so viel zu fressen. Marcel Liner fasst seine Ansicht zur Arbeit am Hang und in der Natur zusammen: «Ich denke, es ist eine Dienstleistung an der Allgemeinheit. Dass man die Diversität, die man hier hat, so bewahren kann, wie sie ist.»