Zum Hauptinhalt springen
Leben & Freizeit

Auffälliges Verhalten

Barbara Gassler
04.05.2023, 19:57 Uhr
11.05.2026, 12:16 Uhr

Die Jäger – vermutet werden vier oder fünf Tiere aus dem Muchettarudel – verschlangen ihre Beute gleich vor Ort. Am Morgen wiesen lediglich noch Blutspuren und der Kopf des erlegten Tieres auf das nächtliche Ereignis hin. Es reiht sich ein in eine Vielzahl von Sichtungen und Rissen von Wölfen, die in den letzten Tagen auf der Beobachtungs-Webseite des Kantons aufgezeichnet wurden. Der aktuell jüngste Wildtierriss wurde am Dienstag, 2. Mai, aus dem Raum Glaris gemeldet, ein anderer am Donnerstag, 27. April, aus dem Raum Mattawald.

Konzept Wolf gibt Richtschnur

Im Fall von Monstein wird das Verhalten der Wölfe als «auffällig» eingestuft, erklärt Hannes Jenny vom Amt für Jagd und ­Fischerei Graubünden auf Anfrage der DZ. Dies in Übereinstimmung mit dem Wolfskonzept Schweiz, das den Umgang mit dem Rückwanderer regelt. Darin wird festgestellt, dass Wölfe zwar Menschen meiden würden, nicht aber von ihm erstellte Strukturen. «Problemloses Wolfsverhalten liegt vor, wenn dabei Wölfe den Menschen kurz beobachten und sich danach entfernen, ohne sich aber dem Menschen und dessen Begleithunden anzunähern», wird beschrieben. Zu vermeiden ist dabei eine Gewöhnung, denn problematisch werde es, wenn bestimmte Tiere regelmässig in der Nähe von Siedlungen auftauchten und ein auf den Menschen oder seine Hunde gerichtetes Verhalten zeigen würden. «Dabei weichen sie dem Menschen oder dessen Begleithunden nicht mehr aus, sie nähern sich allenfalls sogar weiter an, möglicherweise lassen sie sich auch nur mehr schwer vertreiben», wird dieses Verhalten beschrieben.

Im Fall von Monstein ist dies zwar nicht geschehen, doch als auffälliges Verhalten wird auch gewertet, wenn sich Wölfe des Nachts durch Siedlungen bewegen. Dies löst eine verstärkte Überwachung der ­Situation aus. Denn vermieden werden soll ein «unerwünschtes Verhalten». In solchen Fällen nähern sich Wölfe tagsüber Siedlungen, nutzen menschen­gemachte Futterquellen oder folgen ­Menschen mit Hunden auf kurze Distanz. Als Richtschnur wird dabei ein Abstand von weniger als 50 Metern angegeben.

Keine Gefährdung

Die nächste Eskalationsstufe wäre gemäss dem Konzept Wolf «problematisches Verhalten mit dem Potenzial zur Gefährdung von Menschen». Soweit ist man noch lange nicht, denn dazu müssten Wölfe sich tagsüber den Siedlungen nähern, sich nur schwer wieder ver­treiben lassen und sich unprovoziert ­aggressiv verhalten. «Wir schätzen die Situation aber nicht als gefährlich ein, weil die Wölfe bei einer Annäherung eines Menschen in der Regel flüchten werden. Die Erfahrung zeigt, dass bisher auch bei Rissen im Winter im Siedlungsgebiet kaum je eine Gefährdung entstanden ist. Dieses Verhalten ist aber ganz klar unerwünscht, weil bei einer Ver­kettung unglücklicher Umstände ein Unfall oder eine Gefährdung für Menschen dennoch nie ganz ausgeschlossen werden kann», fasst Jenny die Beurteilung durch die Wolfsexperten zusammen.

Auffälliges Verhalten | Südostschweiz