Im Sernftal ist ein See versunken
Wenn sich die Gletscher zurückziehen, dann lassen sie eine Moräne zurück, allenfalls auch einen Felsriegel, hinter dem der Gletscher das Tal tiefer ausgeschliffen hat. Und den Raum hinter dem Riegel nimmt nun ein See ein.
Was heute etwa im Griess oberhalb des Urnerbodens zu beobachten ist, das ist irgendwann auch in Engi passiert. Respektive etwa in dem Teil des Sernftals, wo Engi heute ist. Belege für diesen See hat eine Grundwasseruntersuchung im Sernftal zutage gefördert. Und über diese berichtet die kantonale Abteilung Umweltschutz und Energie im Dezember-Newsletter.
Tief unter dem Talboden
Schaut man sich den skizzierten Tal-Querschnitt an, so sieht man Hinweise auf einen See, dessen Grund etwa 40 Meter unter dem heutigen Niveau des Sernf gelegen haben muss. Aufgestaut wurde der See vom Felsriegel zwischen Schwanden und Engi, wie die Geologen Beat Rick und Lawrence Och im Bericht des geotechnischen Büros von Moos in Zürich erklären.
Den ersten Seegrund hat die Moräne des Sernfgletschers gebildet, wie der Glarner Geologe Mark Feldmann anhand des Talquerschnitts erklärt. Denn auf dieser Moräne hat der Ur-Sernf, dessen Ursprung am zurückgehenden Gletscher noch nahe lag, Bachschutt in den See hinein abgelagert. Und damit den See langsam aufgefüllt.
Später hat sich der Gletscher weiter zurückgezogen. Die Ablagerungen aus dieser Zeit bestehen zum Teil aus Seekreide, so Feldmann. Feinen Schwebestoffen, die aus Gletscherwasser die Gletschermilch machen.
Bergsturzmaterial, vom Gufelstock oder vom Gandstock her, scheint dann den See nochmals höher aufgestaut zu haben, so das Profil von Rick und Och. So hoch gestaut, dass der See vom heutigen Engi nach Süden bis gegen Matt reichte. Wie weit genau, ist unklar. Die Geologen haben in Bohrungen in Matt eine mächtige Moräne gefunden, und die Grenze zu den Seesedimenten ist nicht sichtbar.