Zum Hauptinhalt springen
Leben & Freizeit

Spontan im Reality-TV

Bündner Woche
21.05.2023, 12:00 Uhr
heute um 12:16 Uhr

Von Riccarda Hartmann

Sie balanciert über eine Stange neben dem Schiff, in dem sie mit neun weiteren jungen Leuten für mehrere Tage in Berlin unterkommt. Die graue Mütze montiert, denn es ist Anfang des Jahres. So ist Sophie Brändli in der ersten Folge der Serie «Jung, wild & sexy: Refilled» zu sehen. Sie würde vieles aus Impulsen heraus tun, meint sie. Solange es niemanden stören und sie niemandem Schaden zufügen würde. So auch über das Geländer spazieren und mit anderen jungen Menschen nach Berlin gehen, um Party zu machen und dabei gefilmt zu werden. Das ist auch gleich das Konzept der Reality-TV-Serie «Jung, wild & sexy», deren zweite Staffel des Remakes man auf «oneplus» streamen kann. Jeden Mittwoch eine Folge. Zurück aus Berlin und nicht mehr vor der Kamera, anfang Mai in Arosa. Es ist wärmer und die 20-Jährige trägt nicht ihre graue Mütze. Dafür setzt sie sich ihre grosse, dunkle Sonnenbrille auf beim Spaziergang um den Obersee.

«

Es war eine Möglichkeit für einen Tapetenwechsel.»Sophie Brändli

Wie kommt man überhaupt zu einem solchen Format? Oder, wie landete Sophie Brändli in Berlin? Ein Telefonat, während dem Lumumba-Trinken mit einem Freund nach einem Tag auf der Piste, gab den Anstupser. Jemand meldete Sophie Brändli für die Serie an und Zuständige wollten sie nun kennenlernen. Sophie Brändli, die vorher noch nie etwas von «Jung, wild & sexy» gehört hatte und dachte, dass es sich um einen Telefonstreich handelte, sagte, dass sie ein paar Minuten Zeit bräuchte, um es sich zu überlegen. Dann googelte sie. Schaute den Trailer. Rief zurück. Und meldete sich an. Spontan und ohne grosse Erwartungen ging sie an das Casting und stieg später dann in den Zug nach Berlin. Für mehrere Tage Party. «Es war eine Möglichkeit für einen Tapetenwechsel», erklärt sie. Etwas Anderes, etwas Neues, nachdem sie die Wintersaison in einer Bar in Arosa durchgearbeitet hat.

Kurzerhand läuft sie den Hang hinunter. Über das Gras zum Kiesweg, der näher beim Obersee ist und weiter weg von der befahrenen Strasse. «Ich wusste gar nicht, dass meine Stimme sich so anhört», sagt sie und erinnert sich daran, wie es war, die erste Folge zu schauen und sich selbst zu sehen und zu hören. Aber sie finde es witzig. Ihre Mutter und ihr älterer Bruder schauten die erste Folge ebenfalls. «Mein Bruder hatte zuerst noch Angst, da er nicht wusste, was sie von mir zeigen», sagt sie. Nach der ersten Folge sei er jedoch beruhigter und fände es amüsant. Allgemein scheint Sophie Brändli nicht gross zu stören, was andere von ihr denken, wenn sie sie in diesem Format sehen.

Sie wollte einfach die Leute verstehen

«Leute fanden mich schon immer speziell», meint Sophie Brändli, «bizali komisch». Dabei zuckt sie mit den Schultern. Denn das habe sie früher auch schon nicht sehr gestört. Zumindest irgendwann mit der Zeit nicht mehr. Sie versuchte zwar, sich anzupassen, hätte aber bald gemerkt, dass sie so nur merkwürdiger geworden wäre. Zumindest für sie fühlte es sich nicht richtig an. «Ich habe immer mein eigenes Ding gemacht», sagt sie. Sie fuhr Skirennen, wie ihre Eltern es getan hatten, stieg dann aber auf das Snowboard um. Volleyball spielte sie in der Talentschule und bei Rätia. Das, was sie früher mochte und viel tat: Zu Hause sein und über Dinge recherchieren. Über Geschichte, Astrologie, Psychologie, das Universum. «Ich wollte einfach Leute verstehen», sagt sie dazu. Dabei habe sie zum Beispiel gelernt, dass Leute, wenn sie gemein zu einem sind, oftmals selber unzufrieden mit sich oder ihrem Leben seien. Gesammelte Menschenkenntnisse, die Sophie Brändli nun auch als Barkeeperin in Arosa helfen: Verständnis für Menschen zu haben und sie so zu nehmen, wie sie sind.

Auch in Berlin war Sophie Brändli von Leuten umgeben. Das gefiel ihr. «Man schätzt es dann aber auch wieder, wenn man alleine ist und einfach schlafen kann», sagt sie und lacht. Nichtsdestotrotz sei es ein Erlebnis, das sie nicht wieder vergessen würde. Auch nicht mit dem ganzen Alkohol. Trotzdem ist Sophie Brändli gespannt auf die weiteren Folgen. Darauf, was alles passiert ist und darauf, wie es zusammengeschnitten wurde. «Dann sieht man das, was passierte von aussen und nicht nur von innen.» Von innen kennt sie nun die Leute und ihre subjektive Wahrnehmung auf das ganze Geschehen. Wie das für Zuschauende der Serie ist, findet auch die Teilnehmerin nun heraus.

Die Bündnerin überlegt, was sie in die bunte Gruppe hineinbringt: «Ich glaube das Fröhliche, die Stimmung und das Lustige.» Sicher aber auch das Spontane. Sophie Brändli schiebt sich die Sonnenbrille in die Haare. Die Augen leuchten wach in der Sonne. Es habe ihr gutgetan, diese Reise und die Zeit in Berlin, meint sie. «Das Ganze hat mir mental so viel Energie gegeben», sagt sie, auch wenn sie verkatert und leicht krank zurückkam.

Video Riccarda Hartmann