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Leben & Freizeit

«Ich will etwas aus meinem Leben machen»

Barbara Gassler
10.03.2022, 12:16 Uhr
gestern um 12:16 Uhr

Pirasanth leidet an Neurofibromatose Typ 1 (siehe unten), welche für ihn eine Beschäftigung im ersten Arbeitsmarkt unmöglich macht. Von der IV wird seine Arbeitsleistung auf etwa 11 Prozent geschätzt, die Büchis stufen sie etwas höher ein. «Durch seine Lernbeeinträchtigung braucht Pirasanth klar strukturierte Aufgaben, die er in seinem Tempo erledigen kann», erklärt Doris. Dazu gehörte seit seinem Arbeitsanstritt im Oktober das Spalten von Holz für die Heizung. Nun bringt er die täglich notwendige Menge ins Haus. «Am Morgen bringe ich den Schafen Wasser, ich wische den Boden im Stall und füttere die Schweine», erzählt Pirasanth stolz von seinen weiteren Aufgaben. Doch durch seine Erkrankung ermüdet er schneller und ist körperlich eingeschränkt.

Ordnung und Sauberkeit

«Als er im Juni letzten Jahres zum Schnuppern kam, half er dabei, Zäune zu stellen und Lawinen zu räumen», erzählt Martin. Und als die Arbeit mal ausging, habe Pirasanth aus eigenem Antrieb angefangen, das Unkraut zwischen den Fugen der Bodenplatten ums Haus zu entfernen. «Ich mag es gerne ordentlich», sagt er dazu. Diese Initiative gefiel den Büchis, und nun gehört Pirasanth fest zum Team auf dem Hof. Sie schätzen seine Zuverlässigkeit und wissen, dass die ihm zugeteilte Arbeit mit grosser Sorgfalt und Ernsthaftigkeit erledigt wird. Für sie ist der junge Churer tamilischer Herkunft eine Bereicherung, auch wenn sie sich manchmal etwas einfallen lassen müssen. «Nachdem es kein Holz mehr zum Spalten hat, habe ich ihn in der Backstube eingesetzt. Dort hat er Spitzbuben gemacht, erzählt Doris. ‹Ich konnte den Teig auswallen, die Förmchen stechen und die gebackenen Guetzli mit Konfi bestreichen und zusammenkleben›, berichtet Pirasanth und überreicht ein Muster. ‹Nur das Backen übernahm Doris.› In seiner Freizeit auf dem Hof beschäftigt er sich intensiv mit Finn, dem jungen Hund der Büchis. Zu Hause bei seiner Mutter in Chur geht er gerne spazieren und ist ein regelmässiger Besucher im Fitnesszentrum.

Ein Sackgeld verdienen

Für den 26-Jährigen ist die Arbeit eine Chance «etwas aus meinem Leben zu machen», wie er sagt. So verbringt er jeweils drei bis vier Tage pro Woche auf dem Hof der Büchis und verdient dort ein Sackgeld. «Dabei müssen wir seine Leistungsfähigkeit berücksichtigen, aber auch schauen, welche Arbeit wir für ihn haben», sagt Martin. «Ausserdem darf der Lohn eine bestimmte Grenze nicht überschreiten, sonst wird ihm das von den Ergänzungsleistungen abgezogen.»

Die Schweiz erkunden

Für Pirasanth sind das allerdings Nebensächlichkeiten. Wichtig ist ihm, dass er nach seiner Anlehre im technischen Hausdienst einer Alterssiedlung wieder einer Arbeit nachgehen kann. «Ich hatte Tumore entfernen lassen und war danach fast ein Jahr arbeitslos.» Diese für die Krankheit typischen und eigentlich gutartigen Geschwulste müssen regelmässig kontrolliert und wenn nötig entfernt werden, weil sie störend sein können und gerne ausarten. Die Entfernung eines Hautlappens am Hals war für Pirasanth besonders wichtig. Er sei deswegen «schief» angeschaut worden, berichtet er. Schon früher in der Schule war die Stelle als dunkler Fleck sichtbar, weshalb er gehänselt wurde. «Ich möchte, dass die Menschen respektvoll miteinander umgehen», sagt er nun. Daneben möchte er innerhalb der Schweiz reisen und neue Orte entdecken. Lachen im Kanton Schwyz kennt er bereits. Dort lebt eine seiner beiden Schwestern. «Der See gefällt mir gut.» Dieser gefällt ihm auch in Davos, doch dauernd hier leben  möchte er dennoch nicht. An der Kälte liegt es allerdings nicht, denn daran würde man sich gewöhnen, sagt Pirasanth. «Davos ist halt sehr ruhig.»

www.profil.ch

Neurofibromatose Typ 1

Neurofibromatose Typ 1 (NF1, Von-Recklinghausen-Krankheit) ist eine seltene genetische Erkrankung, die sich vor allem durch das Auftreten von gutartigen und bösartigen Tumoren, vor allem der Haut und des Nervensystems auszeichnet. Namensgebend sind die sogenannten Neurofibrome, das sind gutartige, oft als Hautknoten sichtbare Tumore, die für diese Krankheitsgruppe besonders charakteristisch sind. Neben dem Auftreten von Tumoren sind Veränderungen an der Haut sowie an Knochen, Blutgefässen und Augen typisch. Zusätzlich können neuro-psychologische Defizite wie eine Aufmerksamkeitsstörung, Lernschwierigkeiten und Teilleistungsstörungen entstehen.

Quelle: www.gesundheit.gv.at

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