«Ich sass manche Nachtstunde darüber»
«Nach zwölf Jahren hatte ich gerade das Präsidium des Bäuerinnenverbandes – heute sind das die Landfrauen – abgegeben», erzählt Erika Hoffmann von den Anfängen des heutigen Ladens. Im Zug der damals aufkommenden Betriebsberatungen für Landwirte seien auch den Bäuerinnen verschiedene Kursangebote gemacht worden, viele davon im handwerklichen Bereich. Doch wohin mit den dabei in liebevoller Arbeit entstandenen Produkten? Schliesslich sollte mit ihnen doch ein kleiner Nebenverdienst generiert werden. Hier kommt Hoffmann zum Einsatz. Sie hatte von einem Töpferkurs durch den Lehrer Leo Luzi gehört und einen solchen für die Davoser Bäuerinnen organisiert. Doch auch hier die Frage: Was machen mit dem Ergebnis? Luzi, der mit einigen Gleichgesinnten auf Davoser Märkten Produkte aus der sogenannten 3. Welt verkaufte, sehnte sich ebenfalls nach einem fixen Verkaufsort. So kamen die scheinbar ungleichen Partner zusammen. An der Oberen Strasse 61 wurde ein Ladenlokal gemietet. Das lag zwar zentral, wurde von Nicht-Eingeweihten aber kaum gefunden. Ausserdem war es feucht und klein. So nutzte man die Gelegenheit, als drei Jahre später das heutige Ladenlokal an der Promenade 28 verfügbar wurde. Wie schon einmal, wurde mit eigenen Mitteln renoviert, gebaut und Einrichtungsgegenstände gestiftet. Man war angekommen.
Gewinn weitergeben
Feste rechtliche Strukturen gab es noch immer nicht, verschiedene Menschen arbeiteten aus Überzeugung zusammen und betreuten verantwortlich und unabhängig ihre speziellen Aufgaben. Hoffmann oblagen in diesem Konstrukt der Einkauf und die Abwicklung mit den Arbeiten der Bäuerinnen. «Zu Beginn funktionierten wir unabhängig voneinander. Einheimisches Handwerk auf der einen, 3.-Welt-Produkte auf der anderen Seite», erinnert sie sich. Mit dem Selbstgewobenen und -gestrickten, den Kreuzsticharbeiten, den Holzschnitzereien und vielem anderem mehr traf man jedoch einen Nerv der Zeit. Der Absatz war gut, bald hatte Hoffmann ein Produzentinnennetz, das den ganzen Kanton umfasste. «Die Artikel wurden mir zuge-schickt, ich begutachtete sie und musste gelegentlich auch mal unsaubere oder ungenügende Arbeiten zurückweisen.» Das sorgte dann für Unverständnis und erzürnte Reaktionen. Auf der anderen Seite lohnte sich manchmal der Mut zum Risiko. «Überraschenderweise verkauften sich Stallmodelle ausgesprochen gut.» Vertrieben wurden die Produkte immer in Kommission. «Wir behielten zwanzig Prozent des Verkaufspreises ein.» Das war der Gewinn, der dann wieder zugunsten Bedürftiger eingesetzt werden konnte. «Wir unterstützten zum Beispiel den Einsatz von Betriebshelferinnen oder in anderen Notsituationen.» Für Hoffmann bedeute das auch viel Nachtarbeit. «Ich hatte daneben ja noch immer Familie, Haus und Hof.» Doch sie habe es gerne gemacht und auch viel Anerkennung dafür erhalten. «Vor allem durfte ich dadurch viele tolle Frauen kennenlernen.» Gefreut habe es sie immer, wie durch den Kontakt mit dem 3.-Welt-Laden auch unter den Bäuerinnen das Verständnis für die ungleichen Voraussetzungen im Welthandel gestiegen sei.