Hundafluors Neujahrswunsch
Jedes Jahr unternahm er seine Wünschtouren. Da er natürlich nicht überall am Ersten des Jahres seinen Wunsch anbringen konnte und er doch so Viele seines hübschen Wunsches teilhaftig werden lassen wollte, zog er wochenlang, ja monatelang durch unsere Täler und Dörfer. In jedem Dorf hatte er gute Leute, bei denen er Unterhalt und Obdach für eine Nacht fand. Sei es in der Stube, auf einer Kammer oder im warmen Stall. Heikel war Hundafluor mit seinen vierbeinigen Wandergefährten nicht.
Er wollte auch nicht einfach als Bettler durch die Dörfer ziehen. Er sagte jedem seinen schönen Spruch her, und das war mehr ein kleines Entgelt wert.
Hundafluors Neujahrswunsch (1895)
Ich wünsche euch zum neuen Jahr,
wenn auch erst am 12. Februar,
Glück, Gesundheit, Segen,
das wolle Gott euch geben
heut' und immerdar.
Schaffet, o ihr Menschenkinder,
schaffet eurer Seligkeit.
bauet nicht wie freche Sünder
auf die ungewisse Zeit.
Sondern schauet über euch,
ringet nach dem Himmelsreich
und bemüht euch hier auf Erden,
wie ihr möget selig werden.
Der Menschheit mannigfache Not
kennst du, erbarm’ dich ihrer, Gott!
Gib ihren Fürsten Friedenssinn,
und im Krieg Gewalt und Zwietracht hin!
Schenk unsrer Obrigkeit
ein Vaterherz voll Frömmigkeit
und Mut, zu des Landeswohl zu stehen!
Die Lehrer rüste aus, mit dein Wort zu lehren,
den Hörern gib Begier, es fleissig anzuhören!
Den Obern gib Verstand,
den Untern vorzustehen,
den Alten neue Kraft,
den Jungen neuen Sinn,
dass jeder Dir zum Lob
stets Neues gut beginnt.
Den Reichen in dem Reich
der Demut einen Platz,
den Armen Deinen Trost
und reichen Seelenschatz.
Gib Eltern reiner Liebe Treu
und Weisen Ernst und Mut aufs Neu.
Von Kindern weiche Unschuld nie,
Herr, heilige und berate sie.
Den Jünglingen gib, dass sie rein
Dir ihre Kräfte und Blüte weih’n.
Der Töchter Schmuck sei Sittsamkeit
und Gottesfurcht ihr Ehrenleib.
O grosser Gott,
schütze mächtig unsre Grenzen,
lass Fried und Wohlstand ewig bei uns Bauern
und knüpfe fester der Eintracht Band.
Lass fromm und rein Deine Wege wallen,
lehr uns, Heiligster, Dir Wohlgefallen
und führe uns einst ins wahre Vaterland!