Honigbienen und Kulturland: Geben und Nehmen
Im Frühjahr insbesondere an Weiden, später auf Erika, dem Löwenzahn oder an der Traubenkirsche. Die Bienen saugen bis in den Herbst hinein Nektar aus den Blüten, kleben die Pollen an ihre Beine und tragen beides in ihren Stock. Dort lagern sie die Pollen ein und fertigen aus dem Nektar den Honig. Die Blütenpflanzen wiederum sind dank dem Besuch der Insekten bestäubt und entwickeln Früchte und Samen, aus denen im darauffolgenden Jahr die nächste Pflanzengeneration spriessen kann. Honigbienen und alle übrigen Bestäuber tragen dazu bei, dass die Blütenpflanzen fortbestehen und wir uns davon ernähren können. Die Bestäubung von Honig- und Wildbienen ist schweizweit jährlich rund 350 Millionen Franken wert.
Beziehungsstatus: kompliziert
Das Verhältnis zwischen Insekten und Kulturland ist angespannt. Die Kulturlandschaft wird immer stärker genutzt, wobei Bäume, Hecken, Waldränder und grosse Steine weggeräumt und Feuchtwiesen trockengelegt werden. Abgestufte Waldränder sowie strukturreiche Uferbereiche entlang von Gewässern oder artenreiche Trockenwiesen, die vielen Insekten Nahrung und Lebensraum bieten, sind heute selten. Seit 1900 sind schweizweit 95 Prozent dieser Wiesen verschwunden, oft verdrängt durch artenarmes, intensiv genutztes Grünland. So muss es nicht verwundern, wenn in der Schweiz rund 60 Prozent der untersuchten Insektenarten gefährdet oder potenziell gefährdet sind. Und der Rückgang hält an. Europaweit sind zum Beispiel die Schmetterlinge des Grünlands zwischen 1990 und 2015 um einen Drittel zurückgegangen. Besonders ausgeprägt ist dieser Abwärtstrend in Gebieten mit intensiver Landwirtschaft. Mit modernen Mähmaschinen werden grosse Flächen innerhalb kurzer Zeit gemäht. Das zwingt die Bestäuber dazu, abzuwandern, weil ihr Lebensraum jäh seine Ausprägung verliert und das Nektarangebot fehlt. Die Mahd kann fatal enden: Untersuchungen haben gezeigt, dass 35 bis 60 Prozent der im Feld vorhandenen Honigbienen und fast die Hälfte der Heuschrecken beim Einsatz von Mähaufbereitern vernichtet werden. Übermässiges Düngen fördert auf den Wiesen konkurrenzstarke, schnellwüchsige Pflanzenarten – sie sind für Insekten mehrheitlich uninteressant. Schliesslich werden da und dort Giftstoffe eingesetzt, um unliebsame Pflanzen und Tiere aus den Wiesen und Pflanzenkulturen fernzuhalten. Was sich im Landwirtschaftsland abspielt, offenbart sich auch im Siedlungsraum. Strassenränder und Privatgärten gleichen sterilen Golfplätzen, Böden werden mit Schad- und Nährstoffen belastet oder zu leblosen Steingärten und Parkplätzen umfunktioniert.