Ein Besuch in der Brocki Landquart
von Karin Hobi
«Noch 57 Stufen bis zum Ziel», steht am Eingang geschrieben. Weiss gemalte Fussabdrücke auf dem Boden weisen den Weg über die Treppe zum zweiten Obergeschoss. Zu welchem Ziel? Genau! Herumstöbern. Staunen. Sich inspirieren und vor allem davon überzeugen lassen, dass in der «Feschtland Brocki Landquart» mindestens genauso wertvolle Einkäufe getätigt und erst noch jede Menge Geld gespart werden kann. Gerade jetzt zur Advents- und Weihnachtszeit, in welcher der Konsum von neuer Ware wohl Übermass annimmt.
57 Stufen weiter oben stehen dunkelblau gestrichene Türen weit offen. Der erwartete alte und modrige Geruch fällt aus. Frisch und freundlich präsentieren sich diverse Geschirr-Sets, Töpfe, Gläser, Tassen und jede Menge weitere Artikel. Sie warten auf Holzgestellen und Tischen auf ihr neues Zuhause.
Unmengen an Material, das noch gebraucht werden kann
Fröhliche Musik tönt aus dem Radio und zwei Frauen packen plaudernd neu angekommene Schuhe in einen Einkaufswagen und heissen ihre Kundschaft willkommen. Das grelle Licht der fabrikähnlichen Halle nimmt den Charme des Raums in keiner Weise. Wo man nur hinblickt: Überall sind Gebrauchs- und Einrichtungsgegenstände aufgestellt und aufgereiht. Unmengen an Material, das noch Verwendung finden kann. Gebrauchte Ware. Antike Ware. Aber auch neue Ware, die zwar von jemandem eingekauft und dann doch nicht genutzt wurde. «Wir bekommen tatsächlich auch viele neue Artikel geliefert. Noch verpackt und mit Verkaufsetiketten dran», erzählt Cheryl Ott, eine der beiden Angestellten. «Natürlich freuen wir uns darüber, aber eigentlich sollte man sich vor einem Kauf überlegen, was man wirklich braucht und was nicht», findet sie.
Das Konsumverhalten stimmt sie immer wieder nachdenklich und mittlerweile kann sie auch nicht mehr nachvollziehen, was einen davon abhält, Secondhand einzukaufen. «Müffelnde, kaputte Sachen gehören der Vergangenheit an. Vielleicht war das einst so, aber das Niveau von Brockenstuben ist stark gestiegen.»