Glamouröses Understatement im Prättigau
von Laura Kessler
Hollywood on the Rocks. Kein Drink, nein. Vielmehr ein Ort, ein Hotel, eine Kegelbahn und eine Bar. Also doch ein Drink – viele Drinks. Auch Partys, ja, und das schöne, ausgelassene Leben. Dieses wird in Klosters zelebriert. Ziemlich diskret und fast schon im Geheimen. Hier, im Prättigauer Dorf, im Hollywood der Berge.
Dienstagvormittag, Ende September. Es liegt der Geruch von Schnee in der Luft, auch wenn noch der Regen vom Himmel prasselt. Am Bahnhof von Klosters warten zwei Postautos auf Fahrgäste, auf der gegenüberliegende Seite eilt eine Dame mit Einkaufstasche Richtung Bahnhof, ein Arbeiter trinkt seinen Kaffee aus einem Pappbecher. Es ist ruhig, Klosters ist verschlafen. Hollywood scheint weit weg. Von Glanz und Glamour keine Spur.
Christoph Luzi führt auf die Bahnhofstrasse. Er ist Projektleiter von 800 Jahre Klosters, den diesjährigen Feierlichkeiten, die unter dem Motto «Walserstolz und Weltgeschichten» stehen. Für diese Zeilen spielt beides eine Rolle. Es ist der Stolz der Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner, das Traditionsbewusstsein und vielleicht auch eine gewisse Engstirnigkeit, die aus Klosters ein Ort von Welt machten.
Wo King Charles zu Abend isst
Bildlich zeigt sich das im Hotel «Chesa Grischuna». Ein geschichtsträchtiges Haus. Eines mit niedrigen Räumen, dunklen Holzdecken und knarzigen Treppenstufen. Ein Hotel, in dem sich in Vergangenheit und Gegenwart Leute aus aller Welt treffen. Regisseure, Schauspielerinnen, Musikerinnen und Künstler. Hollywood ist in Klosters zu Gast. Das vor allem in den 40er- und 50er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Heute – oder zumindest bis vor Kurzem – speiste King Charles in der «Chesa Grischuna». Die Royals aus England sind fest mit dem Ort verbunden. Warum? Warum zog und zieht genau dieses Dorf Prominenz aus der ganzen Welt an?