Für ein lebenswertes Miteinander
Die Tiere auf Beni Kindschis Alp freuen sich sichtlich, als er mit seinem Auto vorfährt. Als er dann aussteigt, stürmen sie auf ihn zu. Denn in der Hand hält er einen Eimer mit Salz. Eine willkommene Nahrungsergänzung für die zwanzig Kühe und zwei Esel. Das Verhältnis zwischen Tier und Mensch scheint eng zu sein. «Die Beziehung zwischen dem Landwirten und seinen Tieren ist sehr entscheidend, denn sie sind unsere Existenz», meint Kindschi. «Wenn wir sie gut behandeln und so Vertrauen schaffen, können wir mit ihnen sommers wie winters problemlos umgehen». So würden einem die Tiere sehr ans Herz wachsen – fast wie die eigenen Kinder. Der Bauer betreibt die sogenannte Mutterkuhhaltung. Kommt ein Kalb auf die Welt, darf es so lange bei der Mutter bleiben, bis diese wieder Nachwuchs bekommt. Der Vorteil: Das Kalb darf in mütterlicher Obhut bleiben und an ihren Zitzen saugen. Entsprechend muss der Landwirt die Mutterkühe weniger oft melken.
Man merkt, dass Kindschi ein totaler Fan des Alpsommers ist. Er spricht von der «allerhübschesten Zeit im Jahr», und immer mal wieder während des Vormittags verweist er auf die prächtige Landschaft rundherum. Kindschis Alp liegt direkt bei der Talstation der Jazz-Quattro-Sesselbahn unterhalb des Jakobshorns. Ein wunderbarer Fleck für seine Tiere. «Wir haben das Privileg, dass wir auf die Alp gehen dürfen. In dieser Zeit brauchen wir kein Futter im Stall, sondern können die Weiden nutzen». Wäre dies nicht mehr möglich, wäre dies für den Clavadeler Landwirt eine Katastrophe. Nicht nur für ihn, wie er später noch ausführen wird.
Auch DDO will sensibilisieren
Grund für den frühmorgendlichen Besuch auf Kindschis Alp ist ein Videodreh. Auftraggeber ist die Davos Destinations-Organisation (DDO). Im Video soll der Alltag des Bauers beleuchtet werden, aber auch der Umgang mit Mutterkühen, wie auch Kindschi welche hat. Für eine Tourismusorganisation verständlich, soll das Erlebnis im Vordergrund stehen, und nicht etwa politische Ansichten zum Wolf. Doch Kindschi hat hierzu eine klare Meinung, wie er anschliessend gegenüber der DZ sagt: «Der Wolf gehört mittlerweile zum Alltag der Bündner Landwirtschaft. Bei einem Einzelwolf ist die Haltung von grossen Tieren – wie Kühe – auch kein Problem. Doch die Geschehnisse am Schamserberg lösen bei mir komplettes Unverständnis aus. Ich tu mich schwer damit, nachzuvollziehen, wie man es soweit kommen liess.» In der Zwischenzeit reagierte der Bund dann: Wie später am Tag bekannt wurde, dürfen nun zwei junge Wölfe aus dem Beverinrudel geschossen werden.