Erfolgsmodell Genossenschaft
Die Zeiten ändern sich, doch genossenschaftliche Selbsthilfe bleibt ein nachhaltiges Erfolgsmodell.
Eigenartig schräg liegt das Riedquartier im Stadtplan von Davos. Statt sich, wie üblicherweise, in der Richtung des Tals oder entlang der Hauptverkehrsachse auszurichten, wendet sich das ganze Quartier nach Süden der Sonne zu. Die direkt an die Strasse aufgereihte Häuserzeile schafft rückwärtig eine ausserordentlich städtische Erschliessungssituation und grenzt so den öffentlichen Strassenraum klar von den privaten Gärten ab. Zu jeder Wohnung gehört nämlich ein «Pflanzblätz» im Selbstversorgergarten.
Das Genossenschaftsbüro in der «Riedheim»-Parterrewohnung veranschaulicht die Wohnsituation aus den 1930er-Jahren, die Hausordnung von damals lässt die Besucher staunen. Sie regelt die Nutzung des Gemeinschaftsbades, die Hauswartarbeit (monatlich aufgeteilt), und alle vier Wochen ist jeder Wohnung die Benutzung der Waschküche zugeordnet. Mama konnte früher vom Balkon aus sehen, ob ihre Kinder noch am Bolgen am Skifahren sind, weiss Besucherin Marianne Köpfli zu berichten, die im Haus aufgewachsen ist. Heute reicht der Blick nur noch bis zur Rückwand des nächsten Genossenschaftsblocks.
Die durch den Zweiten Weltkrieg ausgelöste Wirtschaftskrise kostet viele Arbeiter den Job, sie wandern ab. Plötzlich gibt es zu viele Wohnungen. Die Wohngenossenschaft muss wegen der Konjunktur sogar mit Mietzinssenkungen reagieren. Doch kaum ist der Krieg zu Ende, steckt Davos wieder in der Wohnungsnot. Als Reaktion verweigert der Kleine Landrat 1945 Personen, deren Zuzug nicht hinreichend begründet ist, die Niederlassung.
Im Jahr 1949 baut Architekt Hanns Engi an der Linardstrasse das Doppelhaus Miramunt/Miraval. Die Grundrisstypologie bleibt gleich und doch, es ist kein Haus mehr, sondern ein Block. Unter dem Einfluss der Moderne wird die Architektur konsequent vereinfacht. Während Wiederanders noch jedem Zimmertyp ein eigenes Fensterformat schenkte, macht Engi möglichst alle Fenster gleich. Auch das Vordach braucht es nicht mehr. Und es gibt keine getäfelten Stuben mehr. Je günstiger die Baukosten, desto günstiger die Miete, lautet die Devise. 1960 folgt das Mirasol von Karl Angehr. Als einziges Haus im Quartier ist es fünf Stockwerke hoch, denn unmittelbar nach dem Bau beschränkt ein neues Baugesetz die maximale Geschosszahl im Quartier auf vier Geschosse.